Oliver Bierhoff rät dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) angesichts der politischen Debatten um US-Präsident Donald Trump zu einem Abschottungskurs bei der Weltmeisterschaft im Sommer. „Die Spieler müssen geschützt werden. Sie dürfen sich nicht treiben lassen. Man sollte ihnen sagen: Lasst die Medien meckern und konzentriert euch auf den Sport“, sagte Bierhoff dem Magazin stern. Der DFB solle sich einmal positionieren und dann klarstellen: „Lasst die Mannschaft in Ruhe! Tragt eure Moraldebatten gerne aus, aber nicht auf dem Rücken der Spieler.“
Bierhoff kritisiert verlogene Diskussionen
Aus Sicht des früheren DFB-Managers werde „der kritische Kommentar eines einzelnen Fußballers“ nichts daran ändern, dass Trump die WM für seine Zwecke instrumentalisieren könnte. „Es gibt enge wirtschaftliche Verbindungen zu den Vereinigten Staaten und unsere Regierung ist weiterhin um gute Beziehungen bemüht. Warum sollte ausgerechnet die Nationalmannschaft eine andere Haltung einnehmen?“, fragte Bierhoff. Er finde die meisten Diskussionen ohnehin „verlogen“.
Rückblick auf die WM 2022 in Katar
Vor der WM 2022 in Katar hatte sich der DFB unter Bierhoffs Führung positioniert und das Tragen der „One Love“-Binde angekündigt. Auf Druck der FIFA knickte der Verband damals ein. „Heute denke ich: Man muss sehr gut überlegen, ob man sich als Team bei einem Turnier politisch positioniert“, sagte der 58-Jährige. Er sieht nicht die Spieler, sondern die „politische Führung“ des Verbandes in der Verantwortung, entsprechende Aussagen zu tätigen.
Bierhoff kritisierte im Rückblick: „Ich hätte mir gewünscht, dass sich das Präsidium des Verbandes klarer zu Katar äußern und vor die Mannschaft stellen würde. Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass man sich eher hinter der Mannschaft und mir versteckt.“ Nach dem Vorrundenaus in Katar hatten sich der DFB und Bierhoff nach 18 Jahren getrennt.
Aktuelle Position des DFB
Verantwortliche des DFB betonten zuletzt, dass „Fehler“ aus Katar nicht wiederholt und politische Themen aus der Kabine herausgehalten werden sollten. Menschenrechtsorganisationen blicken bereits seit Monaten mit Besorgnis auf die Entwicklung der USA unter Trumps Führung.



