Messerattacke in Neuperlach: Streit an Fußballplatz eskaliert nach Foto-Vorfall
Ein scheinbar harmloser Vorfall an einem Sportplatz im Münchner Stadtteil Neuperlach hat sich am Donnerstagabend dramatisch zugespitzt. Ein 57-jähriger Mann, der mit seinem Handy Fotos in der Nähe eines Fußballplatzes machte, geriet mit zwei Anwohnern in Streit – und zog plötzlich ein Klappmesser.
Die Eskalation an der Carl-Wery-Straße
Gegen 18 Uhr bemerkten zwei Männer im Alter von 56 und 45 Jahren den Unbekannten an der Sportanlage in der Carl-Wery-Straße. Der Fremde beobachtete den Fußballplatz und schoss offenbar Fotos. Die Zeugen vermuteten, dass er Aufnahmen von Kindern machen könnte, und stellten ihn zur Rede. Der 57-Jährige reagierte daraufhin aggressiv und versuchte, sich zu entfernen, wie ein Polizeisprecher am Freitag mitteilte.
Es kam zu einem Handgemenge, bei dem einer der Zeugen den Verdächtigen an der Jacke packte. Der 57-Jährige konnte sich losreißen und floh, verfolgt von den beiden Männern. Die Verfolgung führte zu einem nahegelegenen Mietshaus, in dem eine Bekannte des Flüchtigen wohnt. Dort eskalierte die Situation endgültig: Der 57-Jährige zog ein Klappmesser und bedrohte damit die beiden Verfolger, so die Polizeiangaben.
Polizeieinsatz und Ermittlungen
Die bedrohten Männer alarmierten umgehend den Polizeinotruf. Innerhalb weniger Minuten trafen mehrere Streifen an der Wohnanlage ein. Die Beamten konnten den 57-Jährigen in der Wohnung seiner Bekannten antreffen, wo er noch das Klappmesser bei sich trug. Die Waffe wurde sichergestellt.
Der Verdächtige wurde wegen Bedrohung angezeigt. Er gilt als Sonderling, der auf Social Media aktiv ist, und gab bei der Polizei an, von den beiden Zeugen verletzt worden zu sein – er klagte über Schmerzen im Oberkörperbereich. Daher ermittelt die Polizei nun auch gegen die 56- und 45-jährigen Männer, die wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung angezeigt wurden.
Komplizierte rechtliche Lage
Die Polizei wies auf die komplexe juristische Situation hin. Gemäß dem sogenannten „Jedermannsrecht“ hätten die beiden Zeugen den Verdächtigen bis zum Eintreffen der Beamten festhalten dürfen. Der 57-Jährige könnte hingegen argumentieren, das Messer in Notwehr gezogen zu haben. „Juristisch betrachtet, liegt eine ziemlich komplizierte Sachlage vor“, erklärte der Polizeisprecher. Die Ermittlungen müssen nun klären, ob diese Rechtfertigungen greifen.
Unklar bleibt auch, ob der 57-Jährige tatsächlich Fotos von Kindern gemacht hat. Er gab an, die Aufnahmen seien in der Cloud gespeichert. Sein Handy wurde beschlagnahmt, und die Polizei wird den Speicher sowie die Bilddateien in der Cloud auswerten. „Die Hintergründe der Bildaufnahmen bedürfen weiterer Ermittlungen“, so der Sprecher abschließend.



