Drei blutige Messerattacken überschatten Karneval: Sicherheitsdebatte erreicht NRW
Es sollte die unbeschwerteste, lauteste und fröhlichste Zeit des Jahres sein. Tage, an denen Menschen verkleidet lachen, tanzen und für einen Moment den Alltag vergessen. Doch über vielen Karnevalsfeiern und Faschingsumzügen liegt in diesem Jahr ein schwerer Schatten. Wieder sind Messer im Spiel. Wieder Blut. Wieder Ausnahmezustand.
Die Diskussion wird zur Alltagsrealität
Die Diskussion über Messerverbotszonen, verschärfte Kontrollen und mehr Polizeipräsenz ist längst keine abstrakte politische Debatte mehr, sie ist Teil unseres Alltags geworden. Wo früher Leichtigkeit war, stehen heute Sicherheitsschleusen. Wo Ausgelassenheit herrschte, mischt sich Anspannung unter die feiernde Bevölkerung.
Allein in den vergangenen drei Tagen kam es zu drei blutigen Messer-Attacken. Karneval – eigentlich ein Symbol für Freiheit und Lebensfreude – wird so zum Spiegel eines größeren Problems im Land: der wachsenden Messerkriminalität.
Die drei blutigen Fälle im Detail
12. Februar, 23.45 Uhr, Grefrath (Nordrhein-Westfalen): Im Festzelt nahe der Eissporthalle geht gerade die „Altweiberschwoof“-Party zu Ende. Da kommt es auf dem Parkplatz zum Streit zwischen einem 20-Jährigen und drei Männern. Wie die Polizei mitteilte, zog einer plötzlich ein Messer und stach zu. Der Angreifer und die zwei anderen Männer flüchten. Das Opfer kommt ins Krankenhaus, sein Zustand ist inzwischen stabil. Ein Beteiligter wird noch in Tatortnähe festgenommen, wenig später der mutmaßliche Messer-Angreifer, ein 16-jähriger Afghane. Er kommt in U-Haft wegen des Verdachts des versuchten Totschlags. Der dritte Mann stellt sich später. Er wurde – wie auch der erste Festgenommene – mangels dringenden Tatverdachts wieder aus dem Gewahrsam entlassen.
14. Februar, 19.40 Uhr, Leverkusen (Nordrhein-Westfalen): Nach dem Karnevals-Umzug im Stadtteil Schlebusch feiern die Jecken ihre bunten Partys. In der Morsbroicher Straße geraten ein Mann (20) und ein 15-Jähriger in Streit. Der Ältere zieht ein Messer, rammt es dem Opfer in den Oberschenkel und verletzt dessen Arterie. Der Teenager verliert viel Blut, eine Notoperation rettet ihm das Leben. Der Verdächtige aus Wermelskirchen wird im benachbarten Burscheid (Rheinisch-Bergischer Kreis) festgenommen. Gegen ihn wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.
14. Februar, kurz nach 23 Uhr, Wuppertal (Nordrhein-Westfalen): Im Bus des Schienenersatzverkehrs entbrennt ein Streit zwischen zwei Karnevalsgruppen. Ein 19-Jähriger sticht mit dem Messer auf drei Männer ein, trifft ein Opfer (19) in den Bauch, verletzt den Deutsch-Türken schwer. Zwei weitere Männer (20, 24) werden leicht verletzt. Als der Busfahrer das Fahrzeug stoppt, flüchtet der Angreifer, wird wenig später von der Polizei festgenommen, das Tatmesser in einem Gebüsch sichergestellt.
Karnevalstradition im Schatten der Gewalt
Karneval beginnt traditionell mit der Weiberfastnacht (dieses Jahr am 12. Februar) und endet am Aschermittwoch (18. Februar). Am Rosenmontag (16. Februar) finden die meisten Karnevalsumzüge statt. Der größte Umzug in NRW ist in Köln mit über einer Million Besuchern. Doch in diesem Jahr steht die Sicherheitsfrage im Mittelpunkt vieler Diskussionen.
Die drei blutigen Vorfälle innerhalb von nur 72 Stunden zeigen deutlich, wie sehr sich die Sicherheitslage während öffentlicher Feiern verändert hat. Während früher die Sorge um verlorene Brieftaschen oder übermäßigen Alkoholkonsum im Vordergrund stand, geht es heute um lebensbedrohliche Messerattacken.
Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat ihre Präsenz deutlich erhöht und kontrolliert verstärkt an neuralgischen Punkten. Dennoch bleibt die Frage, wie solche Gewalttaten in Zukunft verhindert werden können, ohne die ausgelassene Karnevalsatmosphäre komplett zu zerstören.



