Münchens Sicherheitsbilanz zeigt gemischte Ergebnisse
München wurde zum 50. Mal als Deutschlands sicherste Großstadt mit über 200.000 Einwohnern ausgezeichnet. Doch hinter dieser positiven Bilanz verbergen sich besorgniserregende Entwicklungen. Während die Gesamtzahl der angezeigten Straftaten im vergangenen Jahr leicht um 1,8 Prozent auf 98.478 Fälle gesunken ist, zeigen sich in bestimmten Bereichen deutliche Verschlechterungen.
Besorgniserregende Anstiege bei schweren Delikten
Die Zahl der Gewaltdelikte stieg leicht auf 5.133 Fälle an, was einem Plus von zwei Prozent entspricht. Besonders alarmierend ist jedoch der Anstieg bei schweren Sexualstraftaten wie Vergewaltigung oder sexueller Nötigung. Hier gab es einen Zuwachs von fast 23 Prozent auf 383 Anzeigen im Vergleich zu 312 im Vorjahr.
Polizeipräsident Thomas Hampel betonte, dass in etwa drei Vierteln dieser Fälle eine Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer bestand. Zufällige Übergriffe im öffentlichen Raum seien dagegen die Ausnahme. Besondere örtliche Brennpunkte für Sexualdelikte gebe es in der Stadt nicht.
Mord und Totschlag fast verdreifacht
Geradezu explodiert sind die Zahlen bei Mord und Totschlag. Laut Kriminalstatistik haben sich diese Delikte fast verdreifacht. Das Kommissariat 11 ermittelte 2025 in 45 Fällen von Mord und Totschlag, während es 2024 lediglich 26 waren. Dabei handelte es sich bei zwölf Taten um vollendete und bei 33 um versuchte Delikte.
Allerdings relativiert das Polizeipräsidium diese Zahlen, da 2024 mit 26 Fällen der niedrigste Wert der letzten zehn Jahre erreicht worden war. Dennoch bleibt der Anstieg signifikant und gibt Anlass zur Sorge.
Öffentlicher Nahverkehr: Statistik versus Sicherheitsgefühl
Im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs gab es laut Präsidium einen Rückgang der Anzeigen um 11,7 Prozent auf 417 Fälle. Dennoch fühlen sich viele Münchnerinnen abends in Bussen und Bahnen sowie an Haltestellen unsicher. Sieben Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung oder schweren sexuellen Übergriffen wurden im ÖPNV registriert.
Im U-Bahn-Bereich wurde mit 2.284 Delikten ein Rückgang von 13,5 Prozent verzeichnet. "Die Münchner Verkehrsmittel sind sicher", betonte Polizeipräsident Hampel, doch das subjektive Sicherheitsgefühl vieler Bürgerinnen scheint davon abzuweichen.
Schockierende Einzelfälle prägen das Jahr
Zwei besonders schockierende Taten haben München im vergangenen Jahr erschüttert. Der islamistisch motivierte Anschlag auf eine Verdi-Demo am 13. Februar 2025, bei dem ein Mann sein Auto in die Menge lenkte, forderte zwei Todesopfer und verletzte 44 Menschen. Der Fahrer steht derzeit vor Gericht.
Ein Familiendrama in der Lerchenau legte sogar das Oktoberfest kurzzeitig lahm. Ein 57-jähriger Handwerker hatte sein Elternhaus angezündet und mit Sprengfallen versehen, bevor er sich am Lerchenauer See erschoss. Sein Vater starb, während Mutter und Tochter überlebten. In Drohbriefen hatte der Mann mit einem Anschlag auf das Oktoberfest gedroht, weshalb die Wiesn aus Sicherheitsgründen vorübergehend gesperrt wurde.
München gegen den bayernweiten Trend
Während die Kriminalitätsrate im restlichen Freistaat Bayern um 3,3 Prozent sank, liegt München mit einem Rückgang von nur 1,8 Prozent hinter diesem Trend. Innenminister Joachim Herrmann hatte die bayernweiten Zahlen bereits am Montag bekannt gegeben.
Die gemischte Bilanz zeigt, dass München trotz seines Titels als sicherste Großstadt Deutschlands weiterhin vor großen Herausforderungen steht. Die stark gestiegenen Zahlen bei schweren Sexualdelikten und Tötungsdelikten erfordern besondere Aufmerksamkeit und Gegenmaßnahmen der Sicherheitsbehörden.



