Israelis in Ramat Gan gespalten über Merz' Absage an US-Hilfsersuchen im Iran-Konflikt
Israelis gespalten über Merz' Nein zu US-Hilfe im Iran-Konflikt

Israelis in Ramat Gan gespalten über Merz' Absage an US-Hilfsersuchen

Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) hat eine Bitte von US-Präsident Donald Trump (79) abgelehnt, europäische Schiffe zur Sicherung der Straße von Hormus zu entsenden. Diese Entscheidung wird in der israelischen Stadt Ramat Gan am Ostrand von Tel Aviv kontrovers diskutiert. Die Reaktionen der Bewohner spiegeln die tiefe Spaltung der israelischen Gesellschaft in dieser außenpolitischen Frage wider.

Verständnis und Enttäuschung nebeneinander

Kieferorthopädie-Professor Meir Redlich (70), Sohn eines Auschwitz-Überlebenden, äußert Verständnis für Merz' Haltung. „Er ist einer der wenigen, die in der Ukraine helfen, da hat er genug zu tun. Und was er schon für Israel getan hat, ist wunderbar“, sagt der linksorientierte Redlich. Der Krieg mit dem Iran sei nicht das Problem Europas, betont er.

Ganz anders sieht das die rechtsgerichtete Fitness-Trainerin Bareket (26): „Leider sind wir diese Antwort gewohnt. Im Herzen unterstützen uns einige. Aber wenn es ernst wird, sind wir allein.“ Sie gibt an, Premierminister Benjamin Netanjahu zu wählen.

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Konservative Stimmen fordern deutsche Unterstützung

Gitarrenlehrer Itai (30) mit konservativeren Ansichten kritisiert die europäische Zurückhaltung scharf. „Ich denke, Deutschland ist Verbündeter der USA in der Nato und sollte helfen. Denn das ist sowohl für die Sicherheit als auch für die Wirtschaft Deutschlands wichtig“, argumentiert er. Itai warnt davor, dass islamistische Gruppen wie Hamas und Hisbollah auch in Europa an Macht gewinnen könnten.

Tal Rabina (66), Strategiedirektor der rechtskonservativen European Israeli Press Association, betont telefonisch: „Ich denke, dass Merz einer der wenigen ist, die zu Israel stehen. Er hat Moral bewiesen.“ Gleichzeitig bedauert er, dass Europa nicht bereit sei, die Straße von Hormus zu sichern, und warnt vor einem Kontrollverlust.

Freundinnen mit gegensätzlichen Positionen

Die Freundinnen Zvia (62) und Sigalit (60) demonstrieren die Polarisierung. Zvia, deren Großmutter aus Nazi-Deutschland floh, kann Merz' Entscheidung nachvollziehen: „Das wird ein langer Krieg ohne wirkliches Ziel. Ich verstehe den deutschen Kanzler, dass er sich da heraushalten will.“

Sigalit widerspricht energisch: „Ich glaube, dass dieser Krieg überlebenswichtig für uns ist. Wir müssen diese Sachen jetzt tun. Warum will der deutsche Kanzler nicht dabei helfen? Ich hätte erwartet, dass Deutschland hilft. Wir fressen hier seit Wochen die iranischen Raketen.“

Gemäßigte Stimmen und persönliche Erfahrungen

Flughafen-Angestellte Pasit (58), die sich politisch in der Mitte verortet, zeigt sich nicht überrascht: „Das überrascht mich nicht, letzten Endes müssen wir uns um uns selbst kümmern. Leider ist das nicht das erste Mal.“ Seit dem 7. Oktober habe sie sich etwas nach rechts bewegt.

Immobilienhändler Ido (47), der sich als „Mitte-links“ bezeichnet, äußert Verständnis für Deutschland: „Es ist gut, dass in diesen kriegerischen Zeiten nicht alle Länder in den Krieg ziehen. Ich verstehe da Deutschland.“ Ido, der einen Bruder im Krieg verloren hat, vertraut darauf, dass Deutschland Israel im Ernstfall helfen würde.

Die unterschiedlichen Reaktionen in Ramat Gan zeigen deutlich, wie komplex die israelische Wahrnehmung der deutschen Außenpolitik im Iran-Konflikt ist. Während Merz für seine bisherige Unterstützung gelobt wird, gibt es auch deutliche Enttäuschung über die aktuelle Entscheidung aus Berlin.

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