Scheidenverengung in den Wechseljahren: Ein oft verschwiegenes Problem
Frauen in den Wechseljahren können eine tiefgreifende Veränderung erleben, über die in der Gesellschaft kaum gesprochen wird: Die Scheide kann sich tatsächlich verengen. Laut der erfahrenen Frauenärztin Dr. Heidi Gößlinghoff stellt diese Entwicklung eine direkte Folge des sinkenden Östrogenspiegels dar – verursacht durch fundamentale Veränderungen des Vaginagewebes.
Wie Östrogenmangel das Vaginalgewebe verändert
Wenn durch die hormonelle Umstellung der Wechseljahre weniger Östrogen im Körper zirkuliert, wird die Vaginalschleimhaut deutlich dünner, trockener und verliert an Elastizität. „Dabei verändert sich das Gewebe der Vaginalschleimhaut so stark, dass sich die Vaginalöffnung deutlich spürbar verkleinern kann“, erläutert Dr. Gößlinghoff im Gespräch mit FITBOOK. Diese Entwicklung gehört zu verschiedenen Beschwerden im Intimbereich, die während der Wechseljahre auftreten können und medizinisch unter dem Begriff genitourinäres Syndrom zusammengefasst werden.
Vaginale Atrophie: Ein schleichender Prozess
Die Veränderungen entstehen nicht plötzlich, sondern entwickeln sich über einen längeren Zeitraum. Durch die verminderte Durchblutung und den Verlust an Elastizität kann sich das Gewebe der Vagina allmählich zusammenziehen. Eine mögliche Konsequenz ist die sogenannte vaginale Atrophie. Dabei bildet sich das Gewebe zurück und baut sich strukturell um.
Erste Anzeichen sind oft unspezifisch und werden leicht übersehen:
- Trockenheitsgefühl im Intimbereich
- Brennen oder Juckreiz
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Auftreten kleinerer Verletzungen
In fortgeschrittenen Stadien kann die Verengung so ausgeprägt werden, dass selbst gynäkologische Untersuchungen als unangenehm empfunden werden.
Früherkennung ist entscheidend
Das zentrale Problem besteht darin, dass viele betroffene Frauen die Beschwerden für „normale“ Wechseljahreserscheinungen halten und daher nicht ärztlichen Rat suchen. „Tatsächlich kann bereits ein leichtes Trockenheitsgefühl ein frühes Warnsignal sein“, betont die Ärztin. Unbehandelt kann sich die Verengung kontinuierlich verstärken. Eine extreme Form – bei der sich Gewebe teilweise verklebt – ist zwar möglich, aber selten und entwickelt sich meist über viele Jahre.
Nicht nur Hormone sind verantwortlich
Die Hauptursache bleibt zwar der natürliche Hormonrückgang während der Wechseljahre. Zusätzlich können jedoch chronische Hauterkrankungen im Intimbereich wie Lichen sclerosus oder vorangegangene medizinische Eingriffe das Risiko einer Scheidenverengung erhöhen. Wie stark die Beschwerden im Einzelfall ausfallen, ist individuell sehr unterschiedlich.
Schätzungen zufolge leiden 50 bis 70 Prozent aller Frauen in den Wechseljahren unter Symptomen wie Trockenheit oder Reizungen – eine ausgeprägte Verengung betrifft jedoch nicht alle. Die entscheidende Botschaft lautet: Je früher Veränderungen erkannt werden, desto besser lassen sie sich behandeln und desto wirksamer können Spätfolgen verhindert werden.



