Münchner Anschlagsprozess: Zeugen schildern Trauma nach Auto-Attacke auf Demo
Münchner Anschlagsprozess: Zeugen schildern Trauma nach Auto-Attacke

Münchner Anschlagsprozess: Weißer Mini als rotes Tuch für traumatisierte Opfer

Am zwölften Verhandlungstag im Prozess um den Auto-Anschlag auf eine Verdi-Demonstration in München stehen die schmerzhaften Erinnerungen der Opfer im Mittelpunkt. Die Bandbreite der geschilderten Gefühle ist enorm und reicht von andauerndem Zorn bis zu tief sitzenden Traumata. Der Senat unter dem Vorsitz von Richter Michael Höhne nimmt sich viel Zeit für die Zeugenaussagen und zeigt dabei große Empathie für die oft noch immer leidenden Anschlagsopfer.

44 Verletzte und zwei Todesopfer: Die Bilanz des 13. Februar 2025

Die Liste der Verletzten ist lang und umfasst 44 Namen – 44 Menschen, die am 13. Februar 2025 zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Sie alle wurden Opfer des Anschlags auf eine Verdi-Demonstration, bei dem ein weißer Mini Cooper in eine Menschenmenge gefahren sein soll. Zwei der Teilnehmer erlagen kurz darauf ihren schweren Verletzungen: eine 37-jährige Mutter und ihre zwei Jahre alte Tochter. Seit dem 16. Januar läuft der Prozess gegen den 25-jährigen Farhad N., der seinen Mini Cooper in die Demonstranten gesteuert haben soll.

Andauernde Traumata: Von Wut bis Schlafstörungen

Die Zeugenaussagen offenbaren tiefe psychische Wunden, die auch mehr als ein Jahr nach dem Ereignis noch nicht verheilt sind. Ein 40-jähriger Mann, der aufgrund seiner schweren Verletzungen fünf Monate arbeitsunfähig war, erklärt zwar, dass es ihm ansonsten gut gehe und er einen eher gelassenen Eindruck macht. Doch ein weißer Mini sei für ihn immer noch so etwas wie ein „rotes Tuch“ – ein Symbol, das unmittelbar negative Emotionen auslöst.

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Noch schlimmer hat es eine 62-jährige Frau getroffen. Sie leidet unter massiven Schlafstörungen, die ihr Leben stark beeinträchtigen. Als sie es einmal geschafft habe, zwei Stunden am Stück zu schlafen, habe sich das „wie Weihnachten angefühlt“. Auf die Frage des Gerichts, was sie empfinde, wenn sie einen Mini auf der Straße sehe, antwortet sie knapp und deutlich: „Wut.“

Erste Hilfe am schwer verletzten Kind: Ein erschütternder Augenzeugenbericht

Besonders erschütternd ist der Bericht eines 64-jährigen Zeugen, der als erster bei der zweijährigen Tochter war, die später ihren Verletzungen erlag. Er schildert, dass das Mädchen zwar geatmet habe, aber ihr Gesicht weiß und ihr Blick starr gewesen sei. Der Zeuge konnte sie aus dem Kinderwagen befreien und in Schockstellung bringen, bevor die Sanitäter übernahmen. Diese Szene hat sich tief in sein Gedächtnis eingebrannt und gehört zu den besonders belastenden Erinnerungen, die im Prozessraum noch einmal lebendig werden.

Fortsetzung des Verfahrens und unterschiedliche Bewältigungsstrategien

Während einige Zeugen berichten, dass sie inzwischen gut mit der Erinnerung umgehen können, sprechen andere von ihrem andauernden Zorn auf den mutmaßlichen Täter. Diese unterschiedlichen Bewältigungsstrategien zeigen, wie individuell die Verarbeitung eines solch traumatischen Ereignisses verläuft. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt, wobei weitere Zeugenaussagen und möglicherweise auch die Einlassung des Angeklagten erwartet werden.

Das Gericht legt besonderen Wert darauf, den Opfern Raum für ihre Schilderungen zu geben und ihre Erfahrungen angemessen zu würdigen. Dieser behutsame Umgang mit den traumatisierten Zeugen ist ein zentrales Element des Verfahrens, das nicht nur der Wahrheitsfindung, sondern auch der psychischen Entlastung der Betroffenen dienen soll.

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