Politisch motivierte Kriminalität in Mecklenburg-Vorpommern auf neuem Höchststand
Die politisch motivierte Kriminalität in Mecklenburg-Vorpommern hat im Jahr 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Nach Angaben des Schweriner Innenministeriums und des Landeskriminalamts wurden insgesamt 3.360 Fälle registriert, was einem Anstieg von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Bereits 2024 war die Fallzahl sprunghaft um 43 Prozent gestiegen, was die anhaltend hohe Belastung durch politisch motivierte Delikte im Nordosten Deutschlands unterstreicht.
Rechte Straftaten dominieren die Statistik
„Die größte Gefahr geht in Mecklenburg-Vorpommern leider auch weiterhin von rechten Straftaten aus“, erklärte Innenminister Christian Pegel (SPD). Die Statistik bestätigt diese Einschätzung: Im vergangenen Jahr wurden 2.282 Delikte aus dem rechten Spektrum verzeichnet, knapp 100 mehr als im Vorjahr. Davon waren 1.566 Propagandadelikte und 103 Gewaltdelikte. Der Verein Lobbi MV berichtete vergangene Woche ebenfalls von einem erneuten Anstieg rechts motivierter Angriffe auf 157 Fälle, wobei in etwa drei Viertel der Fälle Körperverletzungen vorlagen.
Im Vergleich dazu begingen mutmaßliche Täter aus dem linken Lager 392 Straftaten, etwa 30 mehr als 2024. Hier dominierten Sachbeschädigungen mit 209 Fällen, gefolgt von 57 Verstößen gegen das Versammlungsgesetz und 17 Gewaltdelikten. Lediglich knapp 50 Straftaten wurden den Phänomenbereichen ausländische oder religiöse Ideologie zugeordnet.
Antisemitische und rassistische Straftaten bleiben auf hohem Niveau
Die Zahl der antisemitischen und rassistisch motivierten Straftaten blieb mit 544 Fällen im Jahr 2025 auf einem hohen Niveau. Seit 2021 hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt, was auf eine besorgniserregende Entwicklung hinweist. Die Behörden betonen, dass diese Delikte gezielt gegen Menschen gerichtet sind, deren Herkunft, Religion oder Identität zum Angriffspunkt gemacht wird.
Hasspostings im Netz nehmen deutlich zu
Einen deutlichen Anstieg verzeichneten auch Straftaten im Internet und in sozialen Netzwerken. Die Fallzahl stieg von 670 auf 740, wobei mehr als zwei Drittel dieser Delikte dem rechten Spektrum zuzuordnen sind. In etwa 300 Fällen handelte es sich um Hasspostings. „Hass im digitalen Raum ist kein isoliertes Phänomen einzelner Kommentare. Er ist Ausdruck politisch motivierter Kriminalität“, so Innenminister Pegel. Diese Entwicklung zeigt, wie digitale Räume als Beschleuniger für extremistische Einflüsse wirken.
Wahlplakate häufig Ziel von Vandalismus
Während des Wahlkampfes im Vorfeld der Bundestags- und Kommunalwahl wurden in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr 1.681 Wahlplakate beschädigt, besprüht oder entwendet. Oft gibt es bei diesen Straftaten kaum Hinweise oder Spuren für die Ermittlungen, was die Aufklärungsarbeit erschwert.
Besorgniserregender Anstieg bei Jugendlichen
Die Aufklärungsquote bei politisch motivierter Kriminalität lag bei rund 45 Prozent. Insgesamt wurden 2.081 Tatverdächtige ermittelt, mehr als die Hälfte davon war zum Tatzeitpunkt mindestens 21 Jahre alt. Allerdings waren auch 751 Kinder und Jugendliche unter den Tatverdächtigen, wobei die Mehrheit (77 Prozent) mutmaßlich aus dem rechten Lager stammt. Die Zahl der tatverdächtigen Jugendlichen stieg im Vergleich zu anderen Altersgruppen überproportional an.
„Besorgniserregend ist dabei die Rolle digitaler Räume, die als Beschleuniger wirken und junge Menschen frühzeitig mit extremistischen Einflüssen in Kontakt bringen“, betonte Innenminister Pegel. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit von Präventionsmaßnahmen in Bildungseinrichtungen und im sozialen Umfeld, um ideologischen Einflüssen entgegenzuwirken.



