Dresden: Neonazi-Aufmarsch unter massivem Gegenprotest zum Jahrestag der Bombardierung
Neonazi-Aufmarsch in Dresden unter Gegenprotest

Dresden: Neonazi-Aufmarsch unter massivem Gegenprotest zum Jahrestag der Bombardierung

Zum 81. Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg hat ein Aufmarsch von Rechtsextremisten die sächsische Landeshauptstadt bewegt. Unter massivem Gegenprotest zogen geschätzt 2.000 Neonazis durch die Innenstadt, während sich etwa 3.000 Gegendemonstranten mit Sitzblockaden und lautstarken Parolen dem rechtsextremen "Trauermarsch" entgegenstellten. Die Polizei war mit einem Großaufgebot von 2.200 Beamten im Einsatz, setzte Pfefferspray ein und sperrte weite Teile des Stadtzentrums ab.

Friedlicher Gegenprotest trifft auf rechtsextreme Kundgebung

Bereits am Vormittag begannen drei Demonstrationszüge mit jeweils mehreren Hundert Teilnehmern aus der Neustadt und Südvorstadt, die sich zur zentralen Kundgebung am Postplatz formierten. Entlang der Route des rechtsextremen Aufmarsches sammelten sich weitere Gegendemonstranten, die mit Parolen wie "Nationalismus raus aus den Köpfen" ihren Protest artikulierten. Trotz einzelner Rangeleien mit der Polizei blieb die Stimmung insgesamt friedlich, wie Beobachter berichteten.

Der rechtsextreme Aufmarsch startete am Nachmittag vom Bahnhof Dresden-Mitte und zog nach etwa anderthalb Stunden durch die Innenstadt zurück zum Ausgangspunkt, wo eine abschließende Kundgebung stattfand. Diese wurde von lautstarkem Gegenprotest begleitet, den die Polizei in Sicht- und Hörweite zuließ.

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Polizeieinsatz mit Pfefferspray und Ermittlungsverfahren

Die Polizei setzte bei der Räumung von Sitzblockaden Pfefferspray ein, nachdem Demonstranten mehrfach versucht hatten, Sperren zu durchbrechen. Dabei seien Polizisten attackiert und verletzt worden, wie die Behörden mitteilten. Insgesamt leitete die Polizei neun Ermittlungsverfahren ein, darunter drei Fälle von Landfriedensbruch und tätliche Angriffe auf Polizeibeamte. Vorab wurden bereits Verstöße gegen das Versammlungsgesetz festgestellt, als Teilnehmer Protektorenhandschuhe oder Pfefferspray bei sich führten.

Das Polizeiaufgebot umfasste neben den 2.200 Beamten zwei Wasserwerfer, ein Räumfahrzeug, eine Reiterstaffel und eine Überwachungsdrohne. Unterstützung kam von der sächsischen Bereitschaftspolizei sowie Polizisten aus Brandenburg, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und der Bundespolizei.

Stadtzentrum als Sicherheitszone abgesperrt

Um das Protestgeschehen herum wurde das Stadtzentrum stellenweise zur Sicherheitszone erklärt. Für Autofahrer und den öffentlichen Nahverkehr bestand kein Durchkommen, mehrere Parkplätze wurden gesperrt und Straßenbahnlinien umgeleitet. Die Anreise der Versammlungsteilnehmer beider Seiten verlief nach Polizeiangaben jedoch ohne Zwischenfälle.

Polizeisprecher Thomas Geithner betonte: "Wir haben größere Bahnanreisen aus Leipzig und auch aus dem Chemnitzer Raum gehabt, was gut funktioniert hat." Die beiden Lager seien sich unterwegs nicht begegnet. Der Polizeieinsatz dauerte auch nach den Demonstrationen an, da am Abend noch das Fußballspiel Dynamo Dresden gegen SV Elversberg stattfand.

Historischer Kontext und Gedenken

Dresden war am 13. Februar 1945 und in den folgenden Tagen bei Angriffen britischer und amerikanischer Bomber schwer zerstört worden. Nach Zahlen einer Historikerkommission kamen bis zu 25.000 Menschen ums Leben. Rechtsextreme Gruppen instrumentalisieren die Luftangriffe regelmäßig, um die Kriegsschuld Deutschlands zu relativieren.

Politiker mahnten eine historisch korrekte Bewertung der Ereignisse an und forderten dazu auf, alle Opfer des Krieges und der NS-Schreckensherrschaft in die Erinnerung einzubeziehen. Höhepunkt des Dresden-Gedenkens war wie in den Vorjahren eine Menschenkette, in die sich am Freitagabend Tausende Bürger einreihten.

Mehrere Parteien waren mit parlamentarischen Beobachtern vor Ort, um das Versammlungsgeschehen zu begleiten. Die Polizei betonte, dass die Versammlung der Rechtsextremen störungsfrei verlaufen sei, auch wenn es zuvor zu Verstößen gekommen war.

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