Neonazi Liebich in Tschechien vor Gericht: Auslieferung verhandelt
Neonazi Liebich in Tschechien vor Gericht

Pilsen (Tschechien) – Nach monatelanger Flucht, Festnahme und Auslieferungshaft in Tschechien steht der deutsche Neonazi Marla Svenja Liebich (55) am 18. Mai 2026 erstmals wieder in der Öffentlichkeit. In Saal 14 des Pilsener Bezirksgerichts wird über die Auslieferung des Hetzers verhandelt. Kurz nach 13 Uhr taucht er in Begleitung von zwei Justizwärterinnen im Gericht auf. Liebich, der vor deutschen Gerichten im Leopardenlook mit lackierten Nägeln, Hut und Handtäschchen auftrat, bleibt seinem Stil treu, kam mit roten Lippen, Bart und Leo-Shirt zum Gericht. Knapp 40 Tage sitzt er nun bereits in Auslieferungshaft im Gefängnis von Pilsen-Bory. Am Montag nahm er vor Gericht neben seinem Anwalt, dem Chemnitzer Martin Kohlmann, Platz. Es geht um viel: Liebich will die Auslieferung nach Deutschland verhindern. Besonders geschmacklos: Der Neonazi trägt einen Judenstern auf dem Arm. Darin die Aufschrift „ungeimpft“.

Hintergrund der Verurteilung

Liebich war im Juli 2023 – damals noch als Sven Liebich – vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Eigentlich hätte er seine Haftstrafe, unter anderem wegen wiederholter Volksverhetzung, bereits am 29. August vergangenen Jahres antreten sollen. Doch Liebich erschien nicht zum Haftantritt und tauchte unter. Nach monatelanger Flucht wurde er am 9. April im westböhmischen Dorf Krasna gefasst. Bei einem Liebesbesuch seiner Freundin.

Unterbringung im Gefängnis

Seitdem ist er in Tschechiens größtem Gefängnis untergebracht. Vize-Gefängnisdirektor Martin Cerny (51) zu BILD: „Wir sind zu 95 Prozent ausgelastet, haben rund 1200 Insassen.“ Liebig ist nach BILD-Information die einzige Transperson, die in dem Gefängnis untergebracht ist. Er sitzt von den Männern abgeschirmt in Einzelhaft.

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Mögliche Haft in Deutschland

Liebich hieß bis zur Änderung der Geschlechtseintragung Anfang 2025 mit Vornamen Sven. In Deutschland würde der Rechtsextremist – so wie er zum Haftantritt geladen wurde – im Frauengefängnis in Chemnitz untergebracht werden. Auch die von Liebich behauptete erneute Änderung seines Geschlechts auf non-binär wird an der separierten Unterbringung im Frauenknast nichts ändern. Wie BILD erfuhr, könnte Liebich anschließend zum Schutz der anderen Insassinnen (u. a. NSU-Terroristin Beate Zschäpe) separiert in Einzelhaft untergebracht werden.

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