Polizei leitet Ermittlungen nach nächtlichem Flugzeug-Chaos am Münchner Flughafen ein
Die unfreiwillige Nacht in Flugzeugen am Münchner Flughafen schlägt weiterhin hohe Wellen und hat nun auch die Polizei auf den Plan gerufen. Nachdem Hunderte Passagiere in der Nacht zum vergangenen Freitag in mehreren Lufthansa-Maschinen ausharren mussten, hat sich die Polizeiinspektion Flughafen München offiziell eingeschaltet.
Staatsanwaltschaft erhält Prüfbericht
Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord bestätigte: "Wir können bestätigen, dass die Polizeiinspektion Flughafen München einen Bericht zu dem Vorfall zur weiteren Prüfung an die Staatsanwaltschaft Landshut erstellt hat." Der Bericht sollte noch im Verlauf des Dienstags vorgelegt werden. Sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft äußerten sich zunächst nicht dazu, ob etwaige Straftatbestände untersucht werden.
Dritter regt Prüfung an
Interessanterweise ging die Initiative für die polizeiliche Prüfung nicht von den betroffenen Passagieren aus. Laut Polizeiangaben habe ein "wohl unbeteiligter Dritter" über ein Kontaktformular beim Landeskriminalamt in München eine Untersuchung der Vorgänge angeregt. Bislang seien keine Anzeigen direkt von Passagieren eingegangen.
Sechs Flüge mit 600 Passagieren betroffen
Insgesamt waren in der kritischen Nacht sechs Flüge mit rund 600 Passagieren betroffen, die bereits an Bord ihrer Maschinen waren und eigentlich starten sollten. Fünf dieser sechs Flüge gehörten zur Lufthansa Group. Das Problem entstand, als die Flugzeuge wegen massiven Schneefalls wider Erwarten doch nicht abheben durften.
Logistisches Versagen: Busse fehlten
Die eigentliche Krise entstand durch ein logistisches Versagen: Es fehlten ausreichend Busse, um die gestrandeten Fluggäste zurück ins Flughafengebäude zu bringen. Obwohl in München zwischen 0.00 Uhr und 5.00 Uhr morgens die Nachtflugregelung gilt, war für diese Nacht eine Sonderfluggenehmigung eingeholt worden. Flugzeuge wurden noch bis 1.00 Uhr nachts auf die Rollfelder geschickt, konnten aber wegen des extremen Wetters nicht starten.
Entschädigungen und Entschuldigungen
Die Lufthansa hatte bereits mitgeteilt, dass die betroffenen Passagiere eine finanzielle Entschädigung erhalten sollen. Sowohl die Fluggesellschaft als auch der Flughafen München hatten sich für die "unzumutbare Situation" entschuldigt. Die Vorfälle hatten bereits zuvor für mediale Aufmerksamkeit gesorgt, nachdem zunächst der Bayerische Rundfunk und die Zeitung "Die Welt" darüber berichtet hatten.
Die nun eingeleiteten polizeilichen Ermittlungen werfen die Frage auf, ob bei der Planung und Durchführung der Flugoperationen unter extremen Wetterbedingungen möglicherweise Pflichten verletzt wurden. Die Passagiere der betroffenen Flüge mussten zwischen fünf und sieben Stunden in den Flugzeugen ausharren, ohne angemessene Versorgung oder die Möglichkeit, das Flugzeug zu verlassen.



