Polizist vor Gericht: Hauptkommissar soll Hells-Angels-Rocker wegen Cannabis-Plantage erpresst haben
Ein Hauptkommissar mit über 40 Jahren Dienstzeit in der Kriminalpolizei muss sich nun selbst vor Gericht verantworten. Mathias N. (63) aus Mönchengladbach steht gemeinsam mit einem verurteilten Kriminellen auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Beamten vor, einen Hells-Angels-Rocker erpresst zu haben.
Die Vorwürfe im Detail
Der Hauptkommissar war eigentlich für die Bekämpfung der Drogenkriminalität zuständig. Laut Anklage erhielt er jedoch von zwei Komplizen den Hinweis, dass ein Rocker illegal eine Cannabisplantage betreibe. Im September 2020 soll Mathias N. daraufhin versucht haben, den Mann zu erpressen.
Konkret werden ihm folgende Handlungen vorgeworfen:
- Erforderung einer Einmalzahlung von 80.000 Euro
- Forderung monatlicher Zahlungen von 10.000 Euro
- Vorzeigen von Fotos aus der Polizeiakte des Rockers
- Vortäuschen eines laufenden BKA-Verfahrens
Eskalation und Aufdeckung
Als der Rocker die Zahlung verweigerte, soll der Polizist einen nicht eingeweihten Kollegen zu einer Kontrolle geschickt haben – offenbar als Drohgebärde. Zudem warnte er seine vorbestraften Komplizen vor Ermittlungen gegen sie.
Die mutmaßliche Erpressung flog auf, als die Polizei im Rahmen eines anderen Verfahrens die Telefone der beiden Komplizen überwachte. Bei weiteren Ermittlungen stellten die Behörden fest, dass Mathias N. in verschiedenen Polizeidatenbanken Abfragen zu dem Rocker durchgeführt hatte.
Folgen für den Beamten
Der Hauptkommissar wurde umgehend vom Polizeidienst freigestellt. Inzwischen wurde er zwar pensioniert, erhält jedoch aufgrund der laufenden Ermittlungen nur einen Teil seiner Pension. Sollte er zu mehr als zwölf Monaten Freiheitsstrafe verurteilt werden, würde er seine gesamten Pensionsansprüche verlieren.
Erster Verhandlungstag
Am ersten Verhandlungstag schwieg Mathias N. zu den konkreten Vorwürfen. Stattdessen schilderte er seine Erfolge bei der Verbrechensbekämpfung und betonte, wie sehr ihn die Ermittlungen belasteten. „Ich habe einen Herzinfarkt erlitten und habe einen Hirntumor. Durch die Ermittlungen gegen mich gingen alle sozialen Kontakte zu den ehemaligen Kollegen verloren“, erklärte der Angeklagte.
Sein Mitangeklagter Cemil K. (52) wollte sich ebenfalls nicht zu den Vorwürfen äußern. Ein weiterer mutmaßlicher Komplize soll sich in die Türkei abgesetzt haben. Am nächsten Verhandlungstag wird der mutmaßlich erpresste Rocker vor Gericht aussagen – er sitzt derzeit wegen Drogenhandels in Haft.
Der Fall wirft ein beunruhigendes Licht auf mögliche Verstrickungen innerhalb der Polizei und zeigt, wie langjährige Ermittler selbst auf die schiefe Bahn geraten können. Die Verhandlung wird mit Spannung verfolgt, da sie grundsätzliche Fragen zur Integrität von Strafverfolgungsbehörden aufwirft.



