Aktionsbündnis 8. Mai Demmin mobilisiert gegen Neonazi-Marsch
Protest in Demmin: Bündnis gegen rechten Marsch

Demmin bereitet sich auf einen historischen Protesttag am 8. Mai vor. Die rechtsextreme Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) plant ihren jährlichen „Trauermarsch“, während das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin zu massiven Gegenprotesten aufruft. In diesem Jahr werden mehr Teilnehmer als je zuvor erwartet, was zu umfangreichen Straßensperrungen und Einschränkungen im Stadtgebiet führt.

Bundesweite Mobilmachung für „Demmin bleibt bunt!“

Das Aktionsbündnis wirbt bereits seit Wochen auf Social Media und mit Plakaten in Großstädten wie Berlin und Hamburg für die Teilnahme an der Demonstration unter dem Motto „Demmin bleibt bunt!“. Im vergangenen Jahr beteiligten sich nach Polizeiangaben etwa 3.000 Menschen, die Organisatoren sprechen von über 3.500 Teilnehmern. Damals gelang es den Gegendemonstranten erstmals, den „Trauermarsch“ mit Sitzblockaden entlang fast der gesamten Strecke zwischen Geselliusplatz und Hafen zu stoppen. Die Polizei lenkte den Zug daraufhin um: Über die Treptower Straße führte sie die Marschkolonne zur Tollensebrücke, wo die Rechten ihre Kundgebung abhalten und Blumen in den Fluss werfen konnten.

Baustelle verändert Route – Aktionscamp geplant

In diesem Jahr ist die Tollensebrücke aufgrund einer Baustelle nicht nutzbar. Zudem startet das Aktionsbündnis bereits am Donnerstag, dem 7. Mai, ein Aktionscamp auf einer Wiese im Industriegebiet Demmin-Meyenkrebs, das bis zum Sonntag, dem 10. Mai, andauert. Geplant sind Workshops, Diskussionen und Trainings zu Antifaschismus, Erinnerungskultur und Strategien gegen rechte Mobilisierung. Das Camp bietet auch die Möglichkeit, nach der Demo gemeinsam zu feiern – in den Vorjahren war dies aufgrund der Abreise der Busse am selben Tag kaum möglich. Die Antifa kündigt an: „Wir machen die Nacht zum Tag. Mit Musik, Tanz und klarer Haltung feiern wir den Tag der Befreiung.“

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Programm am Barlachplatz und Demonstration

Das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin startet sein Programm um 15 Uhr auf dem Barlachplatz, wo neben den Kriegsgräbern ein „buntes Fest“ mit Aktionen, Informationsständen und Livemusik stattfindet. Unter anderem wird der Demminer Posaunenchor auftreten. Das Bündnis „Zusammen bewegen“ lädt dort von 15 bis 18 Uhr zum „Klönschnack“ ein. Eine Sprecherin erklärt: „Viele sind verunsichert und haben das Gefühl, nicht gehört zu werden. Es geht um unsere Demokratie.“ Um 17 Uhr beginnt die Demonstration ab Bahnhof Demmin, die als „Protest gegen den Neonazi-Trauermarsch mit Redebeiträgen und Musik“ angekündigt ist. Wie in den Vorjahren sind Verkehrsbehinderungen in der gesamten Innenstadt zu erwarten, die Durchfahrt auf den Bundesstraßen wird mindestens bis 22 Uhr eingeschränkt sein.

Gedenkveranstaltungen und Kontroversen

Die Stadt Demmin führt am Vormittag des 8. Mai um 10 Uhr eine Kranzniederlegung an der Gedenkstätte auf dem Barlachplatz durch, um an das Kriegsende 1945 zu erinnern. Ein Gedenkgottesdienst findet um 17 Uhr in der Kirche St. Bartholomaei statt. Die AfD-Fraktion beteiligt sich nicht an diesen Veranstaltungen. Sie legt bereits am 30. April einen Kranz für die Opfer des Massensuizids am Gedenkstein auf dem Demminer Friedhof nieder. Die AfD argumentiert, das Gedenken solle auf den 30. April oder den 3. Mai verlegt werden, um sich gegen „rechte und linke Vereinnahmung“ zu stellen. Sie praktiziere dieses „stille Gedenken“ seit Jahren und lehne ein „Partygedenken“ ab, das die damaligen Opfer verhöhne. Die Stadtgesellschaft blickt dem 8. Mai mit gemischten Gefühlen entgegen.

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