Prozessauftakt in Erfurt: Neonazis wegen versuchten Mordes an Asylbewerbern angeklagt
Prozess: Neonazis wegen Mordversuchs an Asylbewerbern

Prozessauftakt in Erfurt: Anschlag auf Flüchtlingsunterkunft vor Gericht

Sechs junge Männer im Alter von 18 bis 22 Jahren haben sich am Mittwoch vor dem Landgericht Erfurt verantworten müssen. Ihnen wird zur Last gelegt, im Herbst 2025 einen brutalen Anschlag auf eine Unterkunft für Geflüchtete in Gehren verübt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft drei der Angeklagten versuchten Mord vor, den drei weiteren Beihilfe zu dieser Tat.

Rassistische Hetze eskaliert in Gewalttat

Laut Anklage begann der Abend des 27. September 2025 an einer Provinztankstelle, wo die Gruppe Bier trank und rassistische Parolen von sich gab. Die Stimmung soll sich zunehmend aufgeheizt haben, bis schließlich der Entschluss gefasst wurde, die nahegelegene Flüchtlingsunterkunft anzugreifen. Auf der Fahrt dorthin lief im Auto Musik der verbotenen Neonazi-Band „Landser“, die 2003 als kriminelle Vereinigung eingestuft und aufgelöst worden war.

Die Tat selbst wurde offenbar minutiös dokumentiert: Einer der Angeklagten soll mit seinem Handy Videos von der Anreise und der Ausführung des Anschlags aufgenommen haben. Diese Aufnahmen dienen der Staatsanwaltschaft als zentrale Beweismittel.

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Feuerwerksbatterie als „Pyro-Bombe“ eingesetzt

Staatsanwalt Hannes Grünseisen schilderte den Hergang in allen grausamen Details. Zunächst sei eine Fensterscheibe der Unterkunft mit einer Gehwegplatte eingeworfen worden. Anschließend hätten die Täter eine sogenannte „Pyro-Bombe“ – eine Feuerwerksbatterie mit 19 Schuss – in den Raum geworfen, in dem zu diesem Zeitpunkt eine dreiköpfige Familie aus Nordmazedonien schlief.

„Alle wussten, dass das Haus bewohnt war. Sie haben deren Arg- und Wehrlosigkeit während der Schlafenszeit bewusst ausgenutzt“, betonte der Ankläger mit Nachdruck. Die Bewohner flohen in Panik durch das zerbrochene Fenster, wobei sich die 46-jährige Mutter einen Fußschnitt zuzog. Nur durch schnelles Eingreifen konnte ein größeres Feuer verhindert werden.

Richter mahnt zur Aussage

Richter Holger Pröbstel, der die Verhandlung leitet, spielte zu Prozessbeginn die belastenden Tatvideos ab. Die sechs Angeklagten – Justin B., Fabian K. und Stanley S. auf der vorderen Bank, Mika G., Vincent L. und Louis W. dahinter – verweigerten zunächst jede Stellungnahme. Der Richter richtete jedoch eine deutliche Aufforderung an sie: „Das einzig Vernünftige wird sein, mit uns zu reden!“

Die Beweisaufnahme wird in den kommenden Verhandlungstagen fortgesetzt. Die Verteidiger der jungen Männer müssen sich nun mit schwerwiegenden Vorwürfen auseinandersetzen, die das Gericht mit umfangreichem Bildmaterial konfrontiert sieht.

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