Internationale Razzia deckt Moskau-gesteuertes Neonazi-Netzwerk auf
Bei einer großangelegten internationalen Razzia in drei europäischen Ländern haben Ermittler ein weitverzweigtes Neonazi-Netzwerk aufgedeckt, das mutmaßlich von Moskau aus gesteuert wird und in ganz Europa sowie Thailand aktiv ist. Die Operation offenbarte eine beunruhigende Verbindung zwischen rechtsextremer Propaganda und prominenten Mitgliedern der Gesellschaft.
Verlag "Der Schelm" im Fokus der Ermittlungen
Im Zentrum der Untersuchungen steht der rechtsextreme Verlag "Der Schelm", der ursprünglich in Leipzig ansässig war und laut aktuellem Impressum nun in Thailand operiert. Seit 2014 vertreibt der Verlag antisemitische Schriften, NS-Propaganda und das in Deutschland verbotene Buch "Mein Kampf" von Adolf Hitler. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe ermittelt gegen acht Beschuldigte wegen des Verdachts der gemeinschaftlich begangenen Volksverhetzung in mindestens 488 Fällen.
Bundesweite und internationale Durchsuchungen
Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg führte am Mittwoch mit Unterstützung örtlicher Polizeikräfte bundesweite Razzien durch. Zehn Wohnungen und Geschäftsräume in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen wurden durchsucht. Internationale Operationen fanden parallel in Spanien und Polen statt, wo Beamte mehrere Gebäude, eine Lagerhalle und eine Druckerei durchsuchten.
Bei den Durchsuchungen wurden zahlreiche Beweismittel sichergestellt, darunter gedruckte Schriften, Bestelllisten, Propagandamaterial, NS-Devotionalien sowie Computer, Festplatten und andere Speichermedien. Die Auswertung der beschlagnahmten Materialien läuft derzeit auf Hochtouren.
Prominente Kunden aus der Mitte der Gesellschaft
Besonders alarmierend ist die Zusammensetzung des Kundenstamms, der laut vorliegenden Verzeichnissen neben bekannten Neonazis auch zahlreiche Personen aus der gesellschaftlichen Mitte umfasst. Zu den Abnehmern der rechtsextremen Propaganda zählen Ärzte, Lehrer, Polizisten, Pfarrer und Anwälte. Diese Erkenntnis wirft ernste Fragen über die Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts in etablierten Berufsgruppen auf.
Internationaler Haftbefehl gegen Verlagschef
Die Ermittler suchen den mutmaßlichen Kopf des Netzwerks, Adrian Preißinger (61) aus Kronach in Bayern, mit einem internationalen Haftbefehl. Nach Erkenntnissen der Behörden hat sich Preißinger nach Russland abgesetzt und soll aus einem Vorort von Moskau seinen Verlag leiten sowie den Vertrieb der Propagandamaterialien organisieren. Bereits 2024 hatte das Oberlandesgericht Dresden drei führende Verlagsmitarbeiter verurteilt, während Preißinger damals bereits untergetaucht war.
Historische Dimension der Ermittlungen
Die aktuellen Ermittlungen bauen auf früheren Sicherstellungen auf. Bereits 2020 hatten Ermittler in Leipzig rechtsextreme Bücher in Kisten auf insgesamt 80 Europaletten sichergestellt. Die nun aufgedeckten internationalen Verbindungen und die Beteiligung von Personen aus verschiedenen Berufsgruppen zeigen die anhaltende Bedrohung durch organisierte rechtsextreme Netzwerke in Europa.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Karlsruhe und des Landeskriminalamts Baden-Württemberg dauern an, während die internationale Zusammenarbeit mit spanischen und polnischen Behörden weiter intensiviert wird. Die Dimension des aufgedeckten Netzwerks unterstreicht die Notwendigkeit verstärkter grenzüberschreitender Zusammenarbeit im Kampf gegen Rechtsextremismus.



