Bundesweite Razzia gegen rechtsextreme 'Letzte Verteidigungswelle': Erneut junge Beschuldigte im Fokus
Die Bundesanwaltschaft hat am Dienstagmorgen erneut eine bundesweite Razzia gegen mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremistischen Gruppierung 'Letzte Verteidigungswelle' durchgeführt. In fünf Bundesländern durchsuchten Beamte des Bundeskriminalamts und örtlicher Polizeien insgesamt 16 Objekte. Die Maßnahmen richteten sich gegen zehn Beschuldigte, die zwischen 15 und 22 Jahre alt sind und laut Ermittlern als Jugendliche oder Heranwachsende gehandelt haben sollen.
Einsätze in mehreren Bundesländern
Die Durchsuchungen fanden in Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein statt. Konkret wurden Objekte in Dresden, Lübeck, Rostock, Wismar, Zweedorf und der nordrhein-westfälischen Stadt Bünde durchsucht. Die Bundesanwaltschaft erklärte, die Maßnahmen dienten dazu, 'die bestehenden Verdachtsmomente zu objektivieren' und mögliche weitere Gewalttaten sowie die Vernichtung von Beweismitteln zu verhindern.
Vorwürfe gegen die Beschuldigten
Den zehn Beschuldigten wird die Mitgliedschaft in einer inländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Gegen eine 21-jährige Frau aus Sachsen-Anhalt wird zusätzlich Rädelsführerschaft ermittelt. Zwei weitere Beschuldigte stehen im Verdacht, gefährliche Körperverletzung im Zusammenhang mit Angriffen auf vermeintlich pädophile Personen begangen zu haben. Festnahmen erfolgten bei dieser Razzia keine.
Hintergrund der 'Letzten Verteidigungswelle'
Die Gruppierung versteht sich laut Bundesanwaltschaft als 'letzte Instanz zur Verteidigung der Deutschen Nation'. Ihr Ziel sei es gewesen, durch Gewalttaten gegen Migranten und politische Gegner einen Zusammenbruch des demokratischen Systems herbeizuführen. Zu den mutmaßlichen Aktivitäten gehören:
- Brand- und Sprengstoffanschläge auf Asylbewerberheime
- Angriffe auf linke Einrichtungen
- Gewalttaten gegen vermeintlich pädophile Personen
- Rassistische und antisemitische Propaganda in sozialen Medien
Laut einem Beschluss des Bundesgerichtshofs vom Juli 2025 planten die Mitglieder, 'einen Rassenkrieg auszulösen, um im Ergebnis die liberale Demokratie zu beseitigen'.
Bereits laufender Prozess in Hamburg
Bereits im Mai 2025 war die Bundesanwaltschaft erstmals mit Festnahmen und Durchsuchungen gegen die Gruppe vorgegangen. Gegen diese Beschuldigten wurde im Dezember 2025 Anklage erhoben, und seit dem 5. März 2026 läuft am Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg ein Prozess. Dieser wird aufgrund des jungen Alters der Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt.
Die Bundesanwaltschaft wirft den Angeklagten in Hamburg folgende Straftaten vor:
- Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung
- Unterstützung einer terroristischen Vereinigung
- Versuchter Mord
- Verabredung zum Mord
- Gefährliche Körperverletzung
Konkrete Gewalttaten der Gruppe
Der 'Letzten Verteidigungswelle' werden drei konkrete Anschläge und Anschlagspläne zugerechnet:
- Ein Brandanschlag auf ein Kulturhaus in Altdöbern (Brandenburg)
- Ein versuchter Anschlag auf ein Asylbewerberheim in Schmölln (Thüringen)
- Anschlagspläne für eine Asylunterkunft in Senftenberg (Brandenburg)
Besondere Herausforderungen bei jugendlichen Beschuldigten
Die gesetzliche Strafmündigkeit liegt in Deutschland bei 14 Jahren. Allerdings müssen Jugendliche laut Jugendgerichtsgesetz 'Verantwortungsreife' besitzen, um strafrechtlich verfolgt werden zu können. Die Bundesanwaltschaft geht bei den minderjährigen Beschuldigten davon aus, dass sie reif genug waren, das Unrecht ihrer Taten zu erkennen.
Im Hamburger Prozess hatten die Verteidiger argumentiert, dass laut Jugendgerichtsgesetz der Erziehungsgedanke im Vordergrund stehen müsse. Erst zum Urteil darf die Öffentlichkeit wegen des großen öffentlichen Interesses wieder zugelassen werden.
Nach Informationen des NDR richteten sich die jüngsten Durchsuchungen unter anderem gegen eine junge Frau aus Sachsen-Anhalt und einen 21-Jährigen aus Bad Kleinen in Mecklenburg-Vorpommern. Letzterer soll nach den ersten Festnahmen im Frühjahr 2025 in den Führungskreis der 'Letzten Verteidigungswelle' aufgerückt sein.



