Rechte Szene in Südbrandenburg: Pfarrer erhält Drohungen – Politik reagiert
In Südbrandenburg häufen sich Einschüchterungsversuche aus der rechten Szene. Nach einem Vorfall in Cottbus, bei dem ein Pfarrer bedroht wurde, hat die Landesregierung ihre Unterstützung zugesichert. Der Pfarrer engagiert sich für die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg und fand nach der Drohung vor seiner Wohnungstür nicht nur in der Kirche Rückhalt.
Weitere Vorfälle in Cottbus
Neben dem Pfarrer wurden auch Jugendclubs und alternative Wohnprojekte Zielscheibe mutmaßlich rechter Angriffe. Zuletzt gab es Berichte über rassistische Beleidigungen auf einer Semesterparty der Brandenburgisch-Technischen Universität (BTU). Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen und bittet Betroffene, sich zu melden. Die Hochschule selbst hat eine Monitoringstelle eingerichtet, um solche Fälle zu erfassen.
Politische Reaktionen und Schutzmaßnahmen
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) sicherte der Stadt Cottbus in einem Gespräch mit Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD) Rückendeckung zu. Der Verfassungsschutz ist eingeschaltet. Minister René Wilke (SPD) betonte die Notwendigkeit, demokratisches Engagement zu sichern. Die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg fordert wirksames politisches und polizeiliches Handeln.
Hintergrund der Vorfälle
Die Initiative zählte mehrere Vorfälle auf, darunter Hakenkreuze an einem Wohnprojekt und den Hitlergruß. Bei der Bedrohung des Pfarrers drangen zwei Neonazis in das Gebäude ein, randalierten vor seiner Wohnungstür und hinterließen Aufkleber mit der Aufschrift „Piss Dich nach Berlin“. Nach der Veröffentlichung meldeten sich weitere Betroffene, die von rassistischen Beleidigungen bei der Semesterparty berichteten.
Monitoring und Unterstützung
Die BTU Cottbus hat bereits 2024 eine Monitoringstelle eingerichtet, an die Fälle rechter Einflussnahme gemeldet werden können. Zudem gibt es „Safer Spaces“ für Betroffene. Auf der Homepage der Monitoringstelle heißt es, die Region sei durch rechte Dominanzbestrebungen herausgefordert. Ein toxisches Milieu aus Neonazis, Hooligans, Reichsbürgern und der AfD habe sich etabliert.
Dunkelziffer und Normalisierung
Ricarda Budke, Sprecherin der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg, rechnet mit einer hohen Dunkelziffer. Fachleute sprechen von einer Normalisierung rechter Einschüchterungsversuche und Gewalt. Laut der Opferperspektive lag der Schwerpunkt rechter Gewalttaten 2025 in Nordbrandenburg, aber Cottbus verzeichnete mit 38 Fällen die zweithöchste Zahl. Cottbus gilt seit langem als Hochburg der rechten Szene.



