Solidaritäts-Demo für Collien Fernandes: München schließt sich bundesweiter Protestwelle an
Nach Demonstrationen in Berlin, Hamburg und anderen deutschen Städten geht am Sonntag auch in München eine Solidaritätskundgebung für Schauspielerin Collien Fernandes über die Bühne. Die Organisatoren erwarten mehrere tausend Teilnehmer, die gegen sexualisierte und digitale Gewalt auf die Straße gehen werden.
Bundesweite Protestbewegung entfaltet sich
Der Fall von Collien Fernandes, die ihrem Ex-Mann Christian Ulmen „virtuelle Vergewaltigung“ vorwirft und ihn angezeigt hat, hat eine bundesweite Protestbewegung ausgelöst. Innerhalb weniger Tage haben sich in zahlreichen deutschen Städten Tausende Menschen versammelt, um Solidarität mit den Opfern sexualisierter Gewalt zu zeigen.
Bei einer Demonstration in Berlin nahmen laut Polizei 6.700 Menschen teil, während die Veranstalter sogar von der doppelten Teilnehmerzahl sprachen. In Hannover versammelten sich am Mittwoch rund 2.000 Demonstranten, darunter die ehemalige Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang, die in ihrer Rede eine Änderung der Gesetzeslage forderte.
Fernandes trotzt Morddrohungen mit Auftritt in Hamburg
Am Donnerstag fanden weitere Kundgebungen mit mehreren tausend Teilnehmern in Hamburg, Nürnberg und Kassel statt. In der Hansestadt überraschte Collien Fernandes die Anwesenden mit einem kurzen Auftritt auf der Bühne, obwohl sie im Vorfeld Morddrohungen erhalten hatte.
Die Schauspielerin trug bei ihrem Auftritt eine schusssichere Weste und wurde von Personenschützern begleitet. An der Hamburger Demonstration nahmen insgesamt 17.000 Menschen teil, was die enorme öffentliche Anteilnahme unterstreicht.
Münchener Demonstration unter dem Motto „Digitale Gewalt bekämpfen – Betroffene schützen“
Unter diesem Motto ruft die Grüne Jugend München (GJM) am Sonntag ab 14 Uhr zu einer Solidaritätsdemonstration am Königsplatz auf. Laut Kreisverwaltungsreferat sind 5.000 Teilnehmer angemeldet, wobei die Organisatoren mit einer noch höheren Beteiligung rechnen.
Aylin Zara Krüger, Sprecherin der GJM, erklärt: „Digitale Gewalt ist Ausdruck patriarchaler Machtverhältnisse, die sich im Netz fortsetzen. Betroffene erleben massive Grenzüberschreitungen, während sie gleichzeitig um Anerkennung und Gerechtigkeit kämpfen müssen.“
Sie fügt hinzu: „Der Fall Fernandes zeigt auf erschreckende Weise, wie leicht Identitäten missbraucht und Menschen digital entwürdigt werden können – und wie langsam Politik und Justiz darauf reagieren. Dieses Systemversagen werden wir nicht länger akzeptieren.“
Hintergrund: Schwere Vorwürfe und juristische Entwicklungen
Die Protestwelle wurde durch schwere Vorwürfe ausgelöst, die Collien Fernandes im „Spiegel“ gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben hat. Fernandes hat im Jahr 2024 Anzeige erstattet – zunächst in Berlin, später auch in Spanien.
Im Jahr 2025 wurde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft Itzehoe eingestellt, wurde jedoch nach aktuellen Medienberichten wieder aufgenommen. Christian Ulmen hat sich bisher nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert, und es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Weitere geplante Demonstrationen
Neben der Münchner Kundgebung sind weitere Demonstrationen in Köln, Lübeck, Oldenburg und Frankfurt geplant. Diese Veranstaltungen unterstreichen die anhaltende öffentliche Debatte über sexualisierte Gewalt und den Schutz von Betroffenen in Deutschland.
Die Solidaritätsbewegung für Collien Fernandes hat sich zu einem bedeutenden gesellschaftlichen Phänomen entwickelt, das die Dringlichkeit von Gesetzesänderungen und einem besseren Schutz vor digitaler Gewalt in den Fokus rückt.



