Spitzel-Akte am Eisbach: Münchens Surfer empört über 450 Seiten Überwachungsprotokolle
Spitzel-Akte am Eisbach empört Münchens Surfer

Spitzel-Akte am Eisbach empört Münchens Surfercommunity

Vier Monate lang haben private Sicherheitskräfte im vergangenen Sommer akribisch dokumentiert, was an der berühmten Eisbachwelle in München geschah. Dies belegt eine umfangreiche Akte, die jetzt öffentlich wurde und in der Surfercommunity für Entsetzen sorgt.

450 Seiten detaillierter Protokolle

Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung umfasst die Akte im Referat für Klima- und Umweltschutz der Stadt München insgesamt 450 Seiten. Sie wurde angelegt, nachdem Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) die Welle Ende Juni 2025 nach einer vorübergehenden Sperrung wieder freigegeben hatte. Die Dokumentation begann damit und dauerte bis zum Beginn der Bachauskehr am 17. Oktober an.

Die Aufseher waren im täglichen Zwei-Schicht-Einsatz aktiv und beobachteten nicht nur Surferinnen und Surfer, sondern auch Zuschauer, Hundehalter sowie Eltern mit ihren Kindern. Die Protokolle sind äußerst detailliert: Für den 4. Juli sind beispielsweise neun Einträge verzeichnet, die mit 24 Fotos angereichert wurden. Darin finden sich Notizen wie "11.22 Uhr: Ein Surfbrett liegt im Wasser. Besitzer unbekannt" oder "12.42 Uhr: Ein Ast lag im Wasser. Er wurde durch SMA (Sicherheitsmitarbeiter) entfernt".

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Surfer reagieren mit Schock und Empörung

Die Münchner Surfercommunity zeigt sich tief bestürzt über das Ausmaß der Überwachung. Martin Grün, Präsident des Surf Club München, erklärte auf Nachfrage: "Dass wir im Sommer an der Welle beobachtet worden sind, das wussten wir, es waren ja regelmäßig zwei schwarz gekleidete private Sicherheitsleute dort." Die Community hatte im Juli 2025 zwei Mitteilungen von der Stadt erhalten, die sich jedoch auf gefundene Gegenstände wie eine Bierbank oder einen Hammer bezogen.

"Aber der Umfang, diese Fülle an dokumentierten Details schockiert uns", betonte Grün. In einer Presseerklärung vom Mittwoch bezeichnete der Surf Club München die Vorgänge als "Bespitzelung von Bürgern" und einen Skandal.

Sechs dokumentierte Unfälle und ihre Folgen

In der Akte sind auch sechs Surferunfälle zwischen Mitte Juli und Mitte September verzeichnet. Ein Eintrag vom 13. Juli beschreibt beispielsweise: "14.15 Uhr ist ein Surfer beim Surfen der Welle ins Wasser gesprungen und verletzte sich am Kopf. Die Person blutete stark am Kopf." Diese Dokumentationen ärgern den Surf-Club-Präsidenten besonders, da er bezweifelt, dass es nach dem tödlichen Unfall einer Surferin im April 2025 weitere dramatische Vorfälle gegeben habe.

Die Überwachung wurde sogar fortgesetzt, als das Surfen bereits unmöglich war: Vom 30. Oktober bis zum 3. November waren die Aufseher noch im Einsatz, obwohl die Welle nach der Bachauskehr im Oktober zerstört worden war. Nur kurz war sie letzten Donnerstag surfbar, weil heimlich ein Gitter im Wasser versenkt worden war, das aber bereits wieder entfernt wurde.

Zukunft der Überwachung ungewiss

Martin Grün gab jedoch einen Hoffnungsschimmer: "Das war eine Auskunft aus dem OB-Büro. Allerdings noch unter OB Dieter Reiter." Demnach werde die Überwachung in Zukunft wohl nicht mehr stattfinden, falls die Welle wiederhergestellt wird. Der Nachfolger von Dieter Reiter, Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne), hat sich zu der "Akte Eisbach" bisher nicht geäußert, da er sich laut seinem Sprecher in den Osterurlaub verabschiedet hat.

Die gesamte Situation wirft Fragen zum Umgang der Stadtverwaltung mit öffentlichen Räumen und Bürgeraktivitäten auf, während die Surfercommunity weiterhin auf Klärung und Transparenz hofft.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration