Die syrischen Behörden haben nach eigenen Angaben einen ehemaligen Geheimdienstoffizier festgenommen, der als mutmaßlicher Anführer des Massakers von Tadamon gilt. Amjad Youssef wurde in der zentral gelegenen Provinz Hama aufgespürt, wo er sich versteckt hielt. Das Innenministerium veröffentlichte ein Foto von ihm in einer gestreiften Gefängnisuniform und bestätigte die Festnahme.
Massaker mit fast 300 Toten
Im April 2013 wurden in Tadamon, einem Vorort von Damaskus nahe dem palästinensischen Flüchtlingslager Yarmouk, schätzungsweise 288 Zivilisten hingerichtet. Ein Video, das die britische Zeitung „Guardian“ 2022 veröffentlichte, zeigt Angehörige der berüchtigten syrischen Militärgeheimdienstabteilung 227, wie sie etwa 40 gefesselte und blind gefesselte Männer in einem verlassenen Gebäude erschießen und in einen Graben werfen. Die Aufnahmen machten die Gräueltaten international bekannt.
Festnahme als Zeichen der Rechtsstaatlichkeit
Der US-Sonderbeauftragte für Syrien, Tom Barrack, bezeichnete die Festnahme auf X als „wichtigen Schritt weg von Straflosigkeit hin zu Rechenschaftspflicht“. Sie veranschauliche das neue Paradigma der Gerechtigkeit im Syrien nach Assad, das auf Rechtsstaatlichkeit, nationaler Versöhnung und gleicher Anwendung von Gerechtigkeit basiere, unabhängig von früheren Zugehörigkeiten.
Seit dem Sturz von Präsident Baschar al-Assad im Dezember 2024 wurden Dutzende Mitglieder seiner Sicherheitsbehörden festgenommen. Assad selbst floh nach Russland. Der Konflikt, der mit regierungsfeindlichen Protesten im März 2011 begann und in einen Bürgerkrieg mündete, forderte eine halbe Million Tote und mehr als eine Million Verletzte.
Bereits im vergangenen Jahr hatten die syrischen Sicherheitskräfte drei Personen festgenommen, die an denselben Morden beteiligt waren. Das Innenministerium erklärte, alle Beteiligten an den Schüssen in Tadamon zu verfolgen und vor Gericht zu stellen. Im März 2023 verhängte das US-Außenministerium ein Einreiseverbot für Yousef, seine Frau und seine unmittelbaren Familienangehörigen.



