Zeugen schildern tödlichen Raser-Unfall auf A10: Angeklagter zeigt Reue vor Gericht
Tödlicher Raser-Unfall auf A10: Angeklagter zeigt Reue

Tödlicher Raser-Unfall auf der A10: Angeklagter bittet vor Gericht um Entschuldigung

Vor dem Landgericht in Neuruppin hat sich ein tragischer Verkehrsunfall zu einem aufwühlenden Gerichtsprozess entwickelt. Ein 35-jähriger Angeklagter muss sich wegen des Verdachts des illegalen Fahrzeugrennens mit Todesfolge verantworten. Der Vorfall ereignete sich bereits im August 2022 auf der Autobahn 10 bei der Gemeinde Mühlenbecker Land im Landkreis Oberhavel, doch die emotionalen Zeugenaussagen und die Reue des Angeklagten prägen nun die Verhandlung.

Alkoholisiert mit fast 200 km/h unterwegs

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, mit mehr als 190 Stundenkilometern und stark alkoholisiert einen schweren Unfall verursacht zu haben. An der Unfallstelle, wo wegen einer Baustelle lediglich 80 Kilometer pro Stunde erlaubt waren, soll der Angeklagte seinen Wagen sogar mit annähernd 200 Stundenkilometern geführt haben. Die Polizei stellte bei ihm einen Atemalkoholwert von 2,7 Promille fest – ein Wert, der selbst erfahrene Beamte überraschte.

Ein hinzugerufener Polizist schilderte vor Gericht, wie der Angeklagte im Krankenwagen nach dem Unfall angesprochen wurde. „Er sagte, er habe ein Glas Wein am Morgen getrunken“, berichtete der Beamte. Trotz des wahrnehmbaren Alkoholgeruchs wirkte der Mann gefasst und kommunikativ, was den später festgestellten extremen Promillewert umso erschreckender machte.

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Zeugen schildern den schrecklichen Unfallhergang

Mehrere Augenzeugen traten vor Gericht auf und lieferten bewegende Schilderungen des Unfallgeschehens. Ein Zeuge beschrieb, wie der Angeklagte wegen einer Einengung auf der Autobahn von der rechten auf die mittlere Spur wechselte und dabei in zwei Motorradfahrer hineinfuhr. „Will der nicht langsam mal bremsen?“, habe er sich in dem Moment gedacht. „Ich habe keine Bremslichter gesehen. Dann ist das Auto ungebremst reingefahren.“

Ein anderer Zeuge berichtete von den unmittelbaren Folgen des Aufpralls: „Ich habe bloß den Toten durch die Luft schleudern sehen.“ Bei dem tödlich verunglückten Opfer handelte es sich um einen 39-jährigen Motorradfahrer. Zwei weitere Personen – ein 81-jähriger Autofahrer und der damals 31-jährige Angeklagte selbst – wurden bei dem Unfall leicht verletzt.

Reue und Entschuldigung des Angeklagten

In einer emotionalen Stellungnahme vor Gericht wandte sich der Angeklagte direkt an die Opfer und deren Hinterbliebene. Er bat um Entschuldigung und gestand ein, den „Menschen erheblich geschadet“ zu haben. „Ich kann den Verlust nie wieder gut machen“, sagte der 35-Jährige mit sichtlicher Betroffenheit. „Es ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht daran gedacht habe, welchen Kummer ich angerichtet habe.“

Die Staatsanwaltschaft vertritt die Auffassung, dass der Angeklagte bewusst eine möglichst hohe Geschwindigkeit habe erreichen wollen – ein Verhalten, das sie als illegales Kraftfahrzeugrennen mit Todesfolge bewertet. Die Polizeibeamten beschrieben die Unfallstelle als chaotisch und unübersichtlich, mit überall verstreuten Trümmerteilen.

Weiterer Verhandlungstermin steht bereits fest

Der Prozess am Landgericht Neuruppin ist auf insgesamt zwei Verhandlungstermine angelegt. Nach dem emotional aufgeladenen Prozessauftakt soll der nächste Termin bereits am 19. März stattfinden. Bis dahin werden die Richter die zahlreichen Zeugenaussagen, die polizeilichen Ermittlungsergebnisse und die Reuebekundungen des Angeklagten sorgfältig abwägen müssen.

Der Fall wirft erneut Fragen nach der Sicherheit auf deutschen Autobahnen auf, insbesondere in Baustellenbereichen, und unterstreicht die verheerenden Folgen von Alkohol am Steuer in Kombination mit überhöhter Geschwindigkeit. Für die Hinterbliebenen des getöteten Motorradfahrers und alle Beteiligten bleibt der schreckliche Unfalltag im August 2022 eine traumatische Erinnerung, die durch den Gerichtsprozess nun erneut aufgewühlt wird.

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