Einen Tag nach dem spektakulären Ausbruch eines Tigers in Schkeuditz bei Leipzig kehrt bei den Anwohnern langsam Erleichterung ein. „Unsere Idylle war gestern erschüttert“, sagt Silvia Kaempf. Die 68-Jährige hat eine Laube in dem angrenzenden Kleingartenverein und war gerade mit ihrem Ehemann angekommen, als Polizisten sie über den Ausbruch des Raubtieres informierten.
Schockmoment im Kleingarten
„Wir sollten sofort ins Auto und abschließen“, erzählt Kaempf. Dann habe sie gesehen, wie Polizisten auf ein Autodach stiegen und dreimal auf den Tiger schossen. Das Tier habe nur wenige Meter von einem kleinen Zaun zur Kleingartenanlage gelegen. Nach den Schüssen gab es Entwarnung, und die Anwohner durften ihre Fahrzeuge verlassen. „In der Situation waren wir schon aufgeregt und es gab eine innere Anspannung“, so Kaempf. Sie hofft nun, dass die restlichen Tiere in gute Hände kommen.
Unklare Anzahl der Tiere
Am Sonntag war ein ausgewachsener Tiger aus der privaten Anlage einer ehemaligen Zirkus-Artistin in einem Gewerbegebiet entkommen. Ein 72-jähriger Pfleger wurde schwer verletzt. Die Polizei erschoss das Tier später im Bereich einer Gartenanlage. Für die Bevölkerung bestand laut Polizei keine Gefahr mehr. Weitere Tiere seien nicht entkommen.
Am Tag danach streifen weitere ausgewachsene Tiger durch ihren Zirkuswagen – ein Lastwagenauflieger, der an der gesamten Breite von einem mit einem Gitter gesicherten Zaun umgeben ist. So können die Tiere an die frische Luft. Wie viele sich dort noch aufhalten, ist unklar. Die Besitzerin ist nicht zu sprechen.
Rettung unter Polizeischutz
Unter Polizeischutz seien die Rettungskräfte in das Gehege gegangen und hätten den 72-Jährigen gerettet, schildert der Einsatzleiter der Feuerwehr Dölzig, Patrick Siebeck. „Wir wussten zu diesem Zeitpunkt ja nicht, ob noch weitere Tiere frei herumlaufen.“ Der Verletzte erlitt mehrere Biss- und Kratzverletzungen und wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht. Neben mehreren Großfahrzeugen der Feuerwehr kam auch eine Drohne zum Einsatz, um die Lage aus der Luft zu überwachen.
Anwohner fordern Konsequenzen
Die Anwohner und Nachbarn sind unterdessen heilfroh, dass die Behörden nun gezwungen sind, etwas gegen die private Tigerhaltung zu unternehmen. „Meine Mitarbeiter haben jeden Morgen vom Auto aus erst einmal geschaut, ob alles sicher ist, ehe sie ausgestiegen sind“, sagt ein Gewerbetreibender in unmittelbarer Nachbarschaft. Er selbst habe jahrelang Albträume gehabt.
Ermittlungen der Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat in dem Fall inzwischen Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen aufgenommen. Was mit den anderen Tieren passieren soll, ist derzeit noch unklar.



