Im Goitzsche Klinikum Bitterfeld ist vor wenigen Tagen ein neugeborenes Mädchen in die Babyklappe gelegt worden. Es handelt sich um die erste Nutzung dieser Einrichtung seit mehreren Jahren, wie Klinikumssprecher Bernhard Spring am Freitag mitteilte.
Erster Fall seit Jahren
Das Baby wurde kurz nach der Entbindung abgegeben und befand sich in einer sehr guten gesundheitlichen Verfassung, erklärte Dr. Thomas Beier, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Die Babyklappe am Goitzsche Klinikum wurde Ende 2009 eingerichtet und befindet sich in einem wenig frequentierten Bereich der Kinderklinik auf der linken Krankenhausseite. Sichtschutzwände gewährleisten die Anonymität der Abgebenden.
Ablauf der Abgabe
In der Babyklappe befinden sich eine Babyschale, eine Decke sowie ein Zettel mit Informationen für den Fall, dass die Mutter ihre Entscheidung revidieren möchte. Nachdem die Klappe von außen geschlossen wurde, löste nach zwei Minuten ein Alarm auf der Kinderstation aus. Diese Zeitspanne ist bewusst gewählt, damit sich die Abgebenden ungesehen zurückziehen können. Von der Kinderstation aus haben Ärzte und Schwestern direkten Zugriff auf das Baby.
Gesundheitszustand und Betreuung
Das kleine Mädchen wurde gründlich untersucht und war völlig gesund, vital und ohne Verletzungen. Es wurde mehrere Tage, auch über ein Wochenende, auf der Station betreut. Parallel dazu wurde das Jugendamt des Landkreises informiert, das das Neugeborene an eine betreuende Einrichtung in Dessau vermittelte. „Die Zusammenarbeit funktionierte reibungslos“, betonte Chefarzt Beier. Er wies darauf hin, dass die Mutter sich bei gesundheitlichen Problemen nach der Geburt jederzeit an das Klinikum wenden könne.
Babyklappen in Sachsen-Anhalt
Die Bitterfelder Babyklappe ist eine von nur noch drei solcher Einrichtungen in Sachsen-Anhalt. Das Klinikum Dessau hatte seine Babyklappe vor einem Jahr abgeschafft. Trotz der seltenen Nutzung hält das Goitzsche Klinikum an der Einrichtung fest. „Uns ist es wichtig, dass Mütter in Not schnelle Hilfe finden und wir die Babys frühzeitig in unsere Obhut nehmen können“, erklärte Thomas Beier.



