Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen überraschend hohen Milliardengewinn erzielt. Trotz globaler Krisen wie dem Irankrieg und steigender Kosten konnte das Unternehmen den Gewinn deutlich steigern. Für das laufende Jahr wagt der Konzern jedoch keine Prognose, da die Unsicherheiten zu groß sind.
Gewinnsprung trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Im Geschäftsjahr bis Ende März 2026 stieg der Überschuss von Ryanair um gut ein Drittel auf fast 2,2 Milliarden Euro. Bereinigt um eine Sonderbelastung durch eine Strafzahlung in Italien lag der Gewinn sogar bei 2,26 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Der Umsatz legte um elf Prozent auf 15,5 Milliarden Euro zu, während die Passagierzahlen um vier Prozent auf über 208 Millionen stiegen. Grund für die positive Entwicklung war unter anderem eine durchschnittliche Ticketpreiserhöhung um zehn Prozent, nachdem die Preise zuvor gesunken waren.
Kostensteigerungen durch Irankrieg
Der Krieg am Persischen Golf belastet jedoch die Aussichten. Ryanair rechnet mit deutlich höheren Kosten für Kerosin, Personal und Flugzeugwartung. Finanzchef Neil Sorahan erklärte, die Kerosinrechnung sei um „mehrere hundert Millionen“ Euro gestiegen. Zwar hat sich Ryanair für 80 Prozent des erwarteten Bedarfs im Geschäftsjahr 2026/27 zu einem Preis von 67 US-Dollar je Barrel abgesichert, was unter dem Vorjahresniveau liegt. Allerdings dürfte der Rest zu deutlich höheren Preisen eingekauft werden müssen. Auch andere große Airlines wie Lufthansa, Air France-KLM und IAG rechnen mit Milliarden-Mehrkosten für Treibstoff.
Keine Prognose für das laufende Jahr
Konzernchef Michael O’Leary hält es für „noch viel zu früh“, um eine aussagekräftige Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr abzugeben. Der Ausgang hänge stark von externen Entwicklungen ab, insbesondere vom weiteren Verlauf des Irankriegs. Eine klarere Einschätzung soll es mit den nächsten Quartalszahlen Ende Juli geben, sofern dies möglich ist.
Aktie unter Druck
An der Börse reagierten die Anleger enttäuscht. Die Ryanair-Aktie verlor nach Handelsbeginn in Dublin mehr als drei Prozent auf 21,28 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier damit rund 28 Prozent an Wert eingebüßt. Der gesamte Luftfahrtsektor leidet seit Ende Februar unter den Folgen des Golfkriegs.
Boeing-Lieferungen abgeschlossen
Erfreulich für Ryanair: Der kriselnde Flugzeughersteller Boeing hat alle 210 bestellten Mittelstreckenjets vom Typ 737 Max ausgeliefert. Die Flotte umfasst nun 647 Flugzeuge. Ab Frühjahr 2027 erwartet O’Leary die ersten Exemplare der Langversion 737 Max 10. In den vergangenen Jahren hatten sich die Auslieferungen aufgrund von Abstürzen, Produktionsmängeln und behördlichen Auflagen erheblich verzögert, was Ryanair zu einer Eindämmung seiner Wachstumspläne zwang. Im Gegenzug zahlte Boeing hohe Vertragsstrafen, die nun mit den vollständigen Lieferungen ausliefen.



