Job-Defizite überwinden: So werden Schwächen zu Stärken
Defizite im Job? So werden Schwächen zu Stärken

Früher oder später haben viele Menschen im Berufsleben das Gefühl, den Erwartungen nicht gerecht zu werden. Die neue Software, die alle anderen schon beherrschen, das Meeting, bei dem einem die Gesprächsführung entgleitet, oder das Mitarbeitergespräch, in dem die Chefin unzufrieden mit den Ergebnissen ist – irgendwann erwischt fast jeden das Gefühl, den Anforderungen nicht zu genügen.

Selbstzweifel sind normal

Die gute Nachricht: Dieses bedrückende Grundgefühl ist ein Stück weit normal. Cornelia Niessen, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Erlangen, beobachtet: „Menschen sprechen eher über ihre Schwächen.“ Negative Erfahrungen wirkten stärker und blieben länger in Erinnerung als positive Rückmeldungen. Selbstzweifel trüben den Blick auf die eigenen Stärken und sind kein verlässlicher Kompass für die tatsächlichen Fähigkeiten.

Phasen des Übergangs und Perfektionismus

Oft treten Selbstzweifel in Phasen des Übergangs auf, etwa beim Berufseinstieg, bei neuen Aufgaben oder einem Jobwechsel. Wer zum Perfektionismus neigt, läuft Gefahr, kleine Wissenslücken überzubewerten. Heidi Steinberger, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung, warnt vor einer Negativspirale: „Wer sich klein macht, diffamiert das eigene Selbstbild.“ Auch der Vergleich mit anderen ist nur bedingt zielführend, da er den Blick für die eigene Entwicklung verstellt.

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Stärken und Schwächen sind Auslegungssache

Was eine Stärke ist und was eine Schwäche, ist oft eine Frage der Auslegung. Risikobereitschaft kann in manchen Funktionen erwünscht sein, an anderer Stelle verpönt. Sinnvoller als die pauschale Bewertung ist die konkrete Beobachtung: Welche Situationen fühlen sich schwierig an? Wofür benötige ich mehr Zeit? Welche Aufgaben schiebe ich vor mir her? Die Frage „Will ich mich verändern, um zu gefallen oder um beruflich weiterzukommen?“ sollte Teil einer ehrlichen Selbstreflexion sein.

Konstruktiver Umgang mit Kritik

Feedback von außen kann hilfreich sein, aber negative Rückmeldungen verunsichern und nagen am Selbstvertrauen. Statt sich zu rechtfertigen, empfiehlt Steinberger, tief durchzuatmen und um konkrete Beispiele zu bitten. Fragen wie „In welcher Situation sind welche Schwächen aufgefallen?“ signalisieren Gesprächsbereitschaft und helfen, die Kritik einzuordnen. Nicht jede Kritik ist berechtigt, aber auch unbequeme Rückmeldungen verdienen eine ernsthafte Prüfung.

Kritik als Anlass zum Handeln

Arbeitspsychologin Niessen empfiehlt, um ein zweites Gespräch zu bitten, mögliche Gründe für Defizite zu erklären und die Bereitschaft zur Weiterentwicklung zu signalisieren. Die entscheidende Frage ist: Was ist relevant für die aktuelle Aufgabe? Manche Defizite sind dringend, andere lassen sich durch Ressourcennutzung kompensieren. Manchmal fehlt Erfahrung, manchmal sind Arbeitsabläufe unklar.

Stärken ausbauen statt an Schwächen herumdoktern

Oft lassen sich Lösungen finden: Weiterbildung, Mentoring oder regelmäßiger Austausch mit erfahrenen Kollegen helfen. Auch „Job Crafting“ kann nützlich sein: Aufgaben werden so abgeändert, dass sie besser zu den eigenen Fähigkeiten passen. Wer gut in IT ist, kann in diesem Bereich mehr Verantwortung übernehmen und andere Aufgaben abgeben. „Stärken zu entwickeln, ergibt mehr Sinn, als an Schwächen herumzudoktern“, sagt Steinberger.

Offenheit gegenüber Vorgesetzten

Ob man Schwächen von sich aus anspricht, hängt vom Umfeld ab. In einer guten Feedbackkultur kann Offenheit als Verantwortungsbewusstsein gewertet werden, in leistungsorientierten Unternehmen eher als Schwäche. Eine generelle Bereitschaft zur Weiterentwicklung kann der Arbeitgeber erwarten, aber Druck von außen hemmt den Prozess. „Verhaltensänderung funktioniert nur, wenn man es selbst will“, betont Steinberger.

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