Die Gewerkschaft Verdi hat im laufenden Tarifstreit im deutschen Handel zu bundesweiten Warnstreiks aufgerufen. Bereits am Freitag sollen zahlreiche Betriebe in ganz Deutschland stillstehen. Besonders in Frankfurt am Main, Hamburg, Stuttgart und Dortmund sind große Streikkundgebungen geplant – mit spürbaren Auswirkungen für Kunden und Beschäftigte.
Hintergrund des Streiks
Auslöser der Streikwelle sind festgefahrene Tarifgespräche im Einzel- sowie im Groß- und Außenhandel. Erst in dieser Woche hatten Arbeitgeber in Hamburg und Nordrhein-Westfalen erste Angebote vorgelegt, doch die Gewerkschaft, die ihren Hauptsitz in Düsseldorf hat, reagierte mit scharfer Ablehnung. Verdi sprach von „vergifteten Angeboten“, die nicht einmal die stark gestiegene Inflation ausgleichen würden.
Arbeitgeberseite: „Kaum Spielraum“
Konkret bieten die Arbeitgeber eine Lohnerhöhung von zwei Prozent ab November sowie weitere 1,5 Prozent ab August 2027. Für Verdi ist das deutlich zu wenig: Gefordert werden sieben Prozent mehr Lohn, mindestens aber 225 Euro monatlich. Der Handelsverband Deutschland (HDE) schlägt Alarm und warnt vor zu hohen Erwartungen. Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage gebe es „kaum Spielraum“ für deutliche Lohnerhöhungen, so die Arbeitgeberseite. Eine schnelle Einigung ist somit nicht in Sicht.
So groß ist der Einzelhandel in Deutschland
Betroffen ist eine riesige Branche: Rund 5,2 Millionen Menschen arbeiten im deutschen Handel, davon 3,4 Millionen allein im Einzelhandel. Die letzten Tarifverhandlungen zogen sich über mehr als ein Jahr. Am Ende gab es für die Beschäftigten zwischen 2023 und 2025 ein Lohnplus von insgesamt rund 14 Prozent. Dennoch sinkt die Tarifbindung in der Branche seit Jahren – immer weniger Betriebe sind überhaupt noch tarifgebunden.
Die Streiks werden voraussichtlich zu erheblichen Beeinträchtigungen im Einzelhandel führen. Kunden sollten sich auf geschlossene Geschäfte und längere Wartezeiten einstellen. Verdi hat angekündigt, den Druck auf die Arbeitgeber weiter zu erhöhen, falls keine akzeptablen Angebote vorgelegt werden.



