Erster Ostdeutscher Schlössertag: 13 Herrenhäuser in MV öffnen
Ostdeutscher Schlössertag: 13 Herrenhäuser in MV

Erstmals findet ein Ostdeutscher Schlössertag in den neuen Ländern statt, und auch einige markante Häuser der Region sind dabei: Etwa Herrenhaus Vogelsang, Burg Kurzen Trechow und das Gutshaus in Woserin.

Premiere am Pfingstmontag

Am Pfingstmontag, den 25. Mai, öffnen erstmals die privaten Besitzer von Schlössern, Burgen und Gutshäusern in ganz Ostdeutschland. Der neue Tag steht im Zeichen der Pfingstrose. Genau wie diese „erblühen“ nämlich historische Häuser nach einem Schönheitsschlaf über den Winter an Pfingsten wieder und öffnen sich, um mit ihrer Anmut zu begeistern.

Herrenhaus Vogelsang

Schwarze Fliegerbrillen, lange Spitzenröcke, Kutschen und Kerzen – das mächtige Tudorherrenhaus Vogelsang bei Teterow mit seinem umlaufenden Zinnenkranz und den symmetrischen Türmen bildet die perfekte Kulisse für Neoromantiker. Das ursprüngliche Anwesen samt Marstall mit Wasserturm, Inspektoren- und Kutscherhaus ist Sehnsuchtsort bei barocken Tafelmählern und viktorianischen Steampunkfesten. Aber nicht nur dann sieht man solch unzeitgemäße Gäste durch bezaubernd marode Gemächer, entlang des Hainbuchenlaubenganges und in den verträumten englischen Landschaftspark mit Apfelsee und alten Obstwiesen wandeln. Dort gibt es an diesem Tag zwischen 11 und 17 Uhr zweistündlich Haus-Führungen. Eine Ausstellung zu „Baltic Manors“, also baltischen Herrenhäusern, ist zu sehen und das Café V öffnet.

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Burg Kurzen Trechow

Den oft unterschätzten Reichtum dieser Kultur zugänglich zu machen, heißt für Christian Schierning von Plessen, „Burgherr“ von Kurzen Trechow bei Bützow, das Ensemble für öffentliche und private Veranstaltungen zu entwickeln. Zu sehen ist im Haus eine pittoreske Sammlung sämtlicher historischer Kellerschätze als Alltagsgeschichte: von Empire-Ofenkacheln über russische Medizinflaschen aus Lazarettzeiten bis zum rührend selbst gehäkelten Kinderflüchtlingsschuh. Der Saal der einstigen Beletage verfügt über klassizistische Deckenmalerei, die einst italienische Künstler in der Täuschungsmalerei des Trompe-l’oeil mit pompejanischen Motiven ausstatteten. Riesige Findlinge sind um die Wasserburg arrangiert. Die seit 1890 denkmalgeschützte Wasserburg Kurzen Trechow steht ihrer „großen Schwester“ Ulrichshusen in nichts nach: Zwei Meter dicke Mauern aus 4000 Granitblöcken, die schon dem Dreißigjährigen Krieg trotzten, sind die Burg. Als Steine-Freak hat Christian Schierning von Plessen riesige Findlinge ringsum arrangiert - ein kleines Stonehenge von Mecklenburg. Sehen kann man all das in diesem Denkmal nationaler Bedeutung am Pfingstmontag zwischen 10 und 16 Uhr. Führungen finden statt von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr.

Gutshaus Woserin

So etwas wie eine kleine Kunstakademie steht im „Haus am See“, dem Gutshaus Woserin nahe Sternberg. Dort lädt die Künstlerin Sabine Puschmann zu Workshops in Malerei, Buchbinden und Bildhauerei ein. Am 25. Mai findet vor dem Gutshaus ein buntes Markttreiben statt: Beim Woseriner Flechtertreffen zeigen zehn Korbmacher aus Deutschland traditionelle Handwerkskunst. Im Gutshaus ist eine Ausstellung mit Malerei und Skulpturen von Sabine Puschmann, Tamara Suhr, Peter Hermann und Ralf Eggert zu sehen. Zudem beginnt ein Bildhauerworkshop im großen Atelier des Gutshauses.

Besondere Geschichte der ostdeutschen Häuser

Auf die besondere Geschichte der ostdeutschen Häuser möchten die Initiatoren des neuen Schlössertags, darunter der Verein Schlösser und Herrenhäuser in MV, mit diesem erstmals gefeierten Tag aufmerksam machen. Wie die Pfingstrose, die bis zu 100 Jahre alt werden kann, sind diese Häuser oft viele Jahrhunderte alt und fester Bestandteil der Landesgeschichte. Der botanische Name der Pfingstrose Paeonia geht auf den griechischen Götterarzt Paian zurück, der die Pflanze zur Wundheilung nutzte. Gerade nach 1945 wurden privaten Schlössern und Gutsanlagen im Osten viele Wunden zugefügt, deren Folgen bis heute spürbar sind, heißt es seitens der Initiatoren.

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„Mit der Bodenreform begann eine der größten sozialen Umwälzungen in Ostdeutschland. Auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration wurden unzählige Herrenhäuser, die den Krieg unbeschadet überstanden hatten, gesprengt oder abgebrochen. In verbliebene Häuser zogen mit der Gründung der DDR staatliche Einrichtungen, wobei auf historische Bausubstanz kaum Rücksicht genommen wurde“, weiß Manfred Achtenhagen vom Schlösserverein MV. Gutsparks werden zu Kleingartenparzellen. Die Guts-Parkanlagen mit ihrem wertvollen Baumbestand fielen nicht selten der Aufteilung in Kleingartenparzellen zum Opfer. Eine weitere Zäsur bedeutete nach 1989 die Privatisierung der landwirtschaftlichen Betriebe durch die Treuhand. Rigoros zerschlug man die Volkseigenen Güter - ein wirtschaftlicher Abwärtstrend folgte, der vor allem in den strukturschwachen Regionen des Ostens nachwirkte. Während die Wirtschaftsgebäude einzeln veräußert wurden, dienten die Herrenhäuser oft nur der Steuerabschreibung, ohne dass der Bauunterhalt berücksichtigt wurde.

Eine wenig hoffnungsvolle Bilanz, meint der Schlösser-Experte, wären da nicht jene „Schlossretter“, die oft eine gewaltige Aufgabe auf sich nehmen würden. „Aus dem heruntergekommenen Haus, oft dem Schandfleck des Dorfes, wächst wieder dessen Herz. Moderne landwirtschaftliche Betriebe, Hotels, anspruchsvolle Pensionen, Hofläden und Wohnungen sind darin zu finden. Nicht zuletzt trägt die Öffnung der privaten Schlösser erheblich zur touristischen Attraktivität der Region bei.“

Beim ersten ostdeutschen Schlössertag sind auch viele andere Häuser wie Ludorf, Neetzow, Badow, Broock, Zinzow und Rossin dabei. Insgesamt 13 Gutshäuser und Herrenhäuser öffnen mit einem kleinen Programm aus Führungen und teilweise Kulinarik.