Vergewaltigungsvorwürfe in Neuköllner Jugendzentrum: Behörden räumen Versäumnisse ein
Vergewaltigungsvorwürfe in Jugendzentrum: Behörden räumen Fehler ein

Vergewaltigungsvorwürfe in Neuköllner Jugendzentrum: Behörden räumen Versäumnisse ein

Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt zu schwerwiegenden Vorwürfen sexueller Gewalt in einem Jugendzentrum im Bezirk Neukölln. Ein 16-jähriges Mädchen soll dort von mehreren Jugendlichen vergewaltigt und bedrängt worden sein – doch die Polizei erfuhr erst spät davon, weil weder die Einrichtung noch das zuständige Jugendamt zunächst Anzeige erstatteten.

Fehler im Umgang mit dem Fall

Die zuständige Stadträtin Sarah Nagel von den Linken räumte öffentlich ein: „Das Jugendamt hat keine Strafanzeige wegen der Vergewaltigung und der sexuellen Gewalt gegenüber der Jugendlichen gestellt. Nach dem heutigen Kenntnisstand war das ein Fehler.“ Sie betonte, die mutmaßlichen Täter dürften die Einrichtung nicht mehr betreten und kündigte eine umfassende Untersuchung der Vorgänge an. „Ziel ist eine lückenlose Aufklärung und vor allem wirksame Maßnahmen zum Schutz der Neuköllner Jugendlichen“, so Nagel.

Details der mutmaßlichen Taten

Laut Medienberichten soll die 16-Jährige im Januar von mehreren Jungen in einen hinteren Raum des Jugendzentrums getragen, auf eine Couch geworfen und sexuell belästigt worden sein. Erst das Eingreifen einer Mitarbeiterin habe die Täter zum Ablassen gebracht. Zudem berichtete das Mädchen von einer weiteren Vergewaltigung im vergangenen Jahr, die sich abends im Garten des Zentrums ereignet haben soll. Ein 17-Jähriger soll dabei ein Video der Tat gedreht und dem Opfer damit gedroht haben.

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Polizei wurde spät eingeschaltet

Die Kriminalpolizei erfuhr erst von dem Fall, als sich das betroffene Mädchen einer Präventivbeamtin der Polizei anvertraute. Diese schaltete umgehend das Landeskriminalamt (LKA) ein. Innensenatorin Iris Spranger von der SPD bestätigte, dass die Polizei sofort reagiert habe und das LKA bereits das Handy eines beschuldigten Jugendlichen beschlagnahmte. „Was nicht funktioniert hat, müssen der Bezirk, die zuständige Stadträtin und die Senatsverwaltung wirklich klären. Aufklärung wäre da sehr, sehr wichtig“, erklärte Spranger.

Fragen nach den Gründen für das Schweigen

Warum das Jugendamt keine Anzeige erstattete, bleibt vorerst unklar. Zunächst hieß es aus der Neuköllner Verwaltung, weder Opfer noch Täter seien namentlich bekannt gewesen – eine Begründung, die nun selbst „Gegenstand der Aufklärung“ ist. Jugend-Staatssekretär Falko Liecke von der CDU äußerte den Verdacht, Betreuer der Einrichtung hätten den Vorfall aus politischen Gründen nicht gemeldet: „Es ist ein Unding, dass hier offensichtlich die muslimischen Täter geschützt werden, um sie nicht zu stigmatisieren, und das Opfer wird im Stich gelassen.“

Reaktionen und weitere Schritte

Der Vater des mutmaßlichen Opfers hat nicht nur gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger Anzeige erstattet, sondern auch gegen Verantwortliche in der Einrichtung und bei den Behörden, die nichts unternommen haben sollen. Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel von der SPD sprach von einem „erschütternden Fall“, der zeige, dass Strukturen im Jugendamt einer „selbstkritischen internen Überprüfung“ bedürften. Die Staatsanwaltschaft betonte, die Ermittlungen stünden noch ganz am Anfang und weitere Auskünfte könnten derzeit nicht erteilt werden.

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