WM-Tickets: Fifa öffnet Wucher Tür und Tor – ein Kommentar
WM-Tickets: Fifa öffnet Wucher Tür und Tor

Die Fußball-WM entwickelt sich immer mehr zu einem Luxusevent, kommentiert MZ-Redakteur Jan Schumann. Die Frage: Welcher Fan kann sich solche Preise noch leisten?

Dieser Trend ist nicht ganz neu, aber in der aktuellen Ausprägung dann doch schockierend. Die Tickets für die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft kosten so viel, dass Normalverdiener blass werden. Dreistellige Preise für Kap Verde gegen Saudi-Arabien, vierstellige Preise für ein K.o.-Spiel: Man muss entweder sehr lange sparen oder wirklich üppig verdienen, um bei diesem Turnier dabei sein zu können. Der Standardfan, der samstags die Sportschau sieht und Deutschland-Spiele im Kalender ankreuzt – er hat es sich längst abgewöhnt, die Ticketpreise für Weltmeisterschaften auch nur spaßeshalber nachzuschauen.

Normalverdiener können sich diese WM-Tickets längst nicht mehr leisten

Wen überrascht dieser Trend? Niemanden. Die Fifa war schon immer eine Geldscheffel-Maschine, die auch kein Problem damit hat, ihre Großveranstaltungen in Autokratenstaaten wie Russland und Katar stattfinden zu lassen. Die neueste Idee des Weltfußballverbands schlägt dem Fass jedoch den Boden aus. Über die Fifa-eigene Weiterverkaufs-Plattform können Ticketinhaber ihre Karten ohne Preislimit verticken. Die Fifa öffnet dem Ticketwucher damit Tür und Tor.

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Die Eintrittskarte in die Welt des bodenlosen Wuchers

Es ist die Eintrittskarte in die Welt des bodenlosen Wuchers, in der Reiche sich die Fußballtickets hin- und herschieben. Im April gab es Finalkarten zum Millionenpreis. Und alle normalsterblichen Fußballfans können heute nur ahnen, welche astronomischen Kosten noch aufgerufen werden, sobald das Turnier näher rückt. Dass die Fifa bei all diesen Mondpreisen auch noch mitverdient: Es überrascht keinen, dazu ist das System ja da.

Natürlich waren Sommertrips zu großen Fußballturnieren nie billig. Aber das zunehmend ungehemmte Geschäftsgebaren der Fifa macht Fußball immer mehr zum Luxusgut. Wenn es so weitergeht, sitzen in den Stadien bald nicht mehr die Fans mit der größten Begeisterung, sondern diejenigen mit der größten Brieftasche. Das ist bitter für jene, denen Fußball wirklich etwas bedeutet. Vielleicht müssen die Stadien irgendwann mal leer bleiben, damit die Fifa ihren Kurs korrigiert.

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