Zalando in Erfurt: Zeitplan für Schließung wohl nicht zu halten
Zalando: Schließung in Erfurt verzögert sich

Der Modekonzern Zalando hat überraschend die Schließung seines Logistikzentrums in Erfurt angekündigt. Doch der Zeitplan für die Schließung bis Ende September ist offenbar nicht zu halten. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat stocken, und die ersten Kündigungen hätten bereits Ende April erfolgen müssen, sind aber noch nicht ausgesprochen. Dies berichten der SPIEGEL und andere Medien.

Überraschende Ankündigung im Januar

Anfang Januar hatte Zalando-Co-Chef David Schröder den rund 2700 Mitarbeitenden in Erfurt das Aus für den Standort verkündet. Die Ankündigung kam völlig überraschend, denn noch kurz zuvor hatte der Standortleiter die gute Arbeit des Teams gelobt. Die Mitarbeiter waren in Schockstarre, wie Betriebsratschef Tony Krause berichtet. Viele fühlen sich überrumpelt und haben Angst um ihre Zukunft.

Zeitplan gerissen

Intern hatte sich Zalando ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis Ende März sollte ein Interessenausgleich mit dem Betriebsrat verhandelt sein, bis Ende April ein Sozialplan stehen. Doch bisher haben noch keine Verhandlungen stattgefunden. Der Betriebsrat hatte zunächst Zeit für die Vorbereitung gefordert und dann die von Zalando angestrebte Einigungsstelle abgelehnt. Ein Gericht hat diese nun auf Antrag von Zalando eingesetzt, der Betriebsrat legte jedoch Beschwerde ein. Eine Entscheidung wird frühestens im Juni erwartet.

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Kosten und Effizienz als Gründe

Zalando begründet die Schließung mit der veralteten Technik in Erfurt. Die Kosten pro Artikel im Warenausgang liegen dort bei 77 Cent, während sie an neueren Standorten nur 30 bis 65 Cent betragen. Eine Modernisierung würde rund 130 Millionen Euro kosten. Das Unternehmen will seine Logistik effizienter gestalten und setzt auf hochautomatisierte Zentren wie das neue in Gießen.

Betriebsrat wehrt sich

Der Betriebsrat wirft Zalando vor, die Mitarbeiter nicht rechtzeitig und umfassend informiert zu haben. Unterstützung erhalten sie von Bodo Ramelow, dem früheren thüringischen Ministerpräsidenten. Er kritisiert das Vorgehen des Konzerns als „Raubtierkapitalismus“. Der Betriebsrat hofft, durch Zeitgewinn bessere Abfindungen für die Beschäftigten herauszuholen oder sogar Alternativen zur Schließung zu finden.

Unsicherheit für die Mitarbeiter

Viele Mitarbeiter sind verunsichert. Silke, die seit neun Jahren bei Zalando arbeitet, hatte nach der Ankündigung vier Stunden lang geweint. Mit 54 Jahren fühlt sie sich zu jung für die Rente, aber zu alt für einen neuen Job. Sie und ihre Kollegen hoffen nun auf faire Verhandlungen und eine finanzielle Unterstützung durch den Konzern.

Ausblick

Es bleibt abzuwarten, ob Zalando die Schließung wie geplant bis September durchziehen kann. Angesichts der rechtlichen Auseinandersetzungen und des Widerstands des Betriebsrats erscheint dies fraglich. Der Konzern betont zwar, man strebe nach den besten und effizientesten Strukturen, doch der Umgang mit den Mitarbeitern in Erfurt könnte langfristig das Image des Unternehmens schädigen.

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