Zehnjährige Heldin rettet Freund nach Böllerexplosion
Zehnjährige Heldin rettet Freund nach Explosion

Seit Sonntag ist nichts mehr so, wie es einmal war. Rica Knörndel hat viele bange Stunden und Tage durchgestanden und verbringt viel Zeit bei ihrer zehnjährigen Tochter Maria im Krankenhaus. Die 43-Jährige weiß nun: Das kleine Mädchen hatte einen wahren Schutzengel. Sie unternahm am Sonntag zusammen mit ihrem Freund Ben, einem aufgeweckten neunjährigen Nachbarsjungen, mit dem sie nicht nur die Schulbank drückt, sondern auch Freizeitaktivitäten teilt, einen kleinen Ausflug. „In dem Waldstück gibt es auch einen Teich, ein kleines Biotop, mit Enten und Wildgänsen, und der hat sie magisch angezogen“, glaubt Rica Knörndel.

Von der Intensivstation auf die normale Station

Nach dem Fund eines Böllers bei Neu Krenzlin bei Ludwigslust nahm das Unglück seinen Lauf. „Maria hat lange mit sich gekämpft, aber gestern hat sie mir dann erzählt, wie das alles passierte.“ (Aus ermittlungstechnischen Gründen behält die Redaktion die Einzelheiten zurück.) „Die Kriminalpolizei hat Maria bisher noch nicht befragt. Ich bereite sie vorsichtig auf das Gespräch vor“, sagt Rica Knörndel. Die Drittklässlerin liegt noch immer im Schweriner Krankenhaus. „Es geht ihr besser, sie macht auch schon wieder Späße. Die Ärzte verlegten sie vor zwei Tagen von der Intensivstation auf die normale Station, und ich habe sie gestern das erste Mal ohne Verbände gesehen.“

Brandverletzungen im Gesicht

Die zehnjährige Abenteurerin hatte mehr Glück als ihr kleiner Freund Ben. Eine Explosion nahm Ben das Augenlicht, und Ärzte mussten dem Neunjährigen beide Hände amputieren. Ein Rettungshubschrauber flog den schwer verletzten Jungen am Sonntag in die Uniklinik nach Lübeck. Die Explosion verursachte bei Maria erhebliche Brandverletzungen im Bereich der Stirn und der Nase. Mediziner entdeckten auch Spuren an den Händen und Armen. „Sie wird mit Sicherheit einige Narben zurückbehalten. Was mit den Ohren ist, kann ich bisher nicht sagen; die sind noch verbunden. Aber sie kann hören.“ Marias Augen nahmen bei dem Unglück ebenfalls Schaden. „Sie kann zum Glück sehen, aber auf dem einen Auge gibt es eine 20-prozentige Beeinträchtigung, auf dem anderen vielleicht mehr. Wir müssen einfach abwarten. Die Hämatome am Brustbereich gehen langsam zurück.“

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Autofahrer angehalten

Rica Knörndel, Mutter von drei weiteren Kindern (4, 20 und 25 Jahre), ist mächtig stolz auf ihr kleines Mädchen. Trotz ihrer Verletzungen rannte das Mädchen los, um für Ben Hilfe zu holen. Es hielt einen Autofahrer an, und der leistete Erste Hilfe. Maria hat sich bereits mehrmals nach Ben erkundigt und will ihn bald besuchen. „Ich bin überzeugt, dass ihre Freundschaft das übersteht.“

Spendenaktion für beide Familien

Chris Hogrefe hat auf der Plattform GoFundMe eine Spendenaktion für Ben gestartet. Er will damit nicht nur die Familie des Neunjährigen unterstützen, sondern inzwischen auch Marias Familie. Bis zum 24. April um 12 Uhr spendeten Unterstützer mehr als 30.000 Euro. „Es ist schwer in Worte zu fassen, wie viel uns das bedeutet. Hinter jeder einzelnen Spende steckt ein Mensch, ein Gedanke, ein Moment der Unterstützung – und genau das hat uns hierhergebracht. Diese Summe ist nicht nur eine Zahl. Sie steht für Hoffnung, für Zusammenhalt und dafür, dass wir gemeinsam wirklich etwas bewegen können. Ihr habt gezeigt, wie stark Mitgefühl sein kann“, kommentierte der IT-Spezialist den Spendenaufruf.

Maria wünscht sich ein Fahrrad

Rica Knörndel empfindet die Bitte um eine Spende für ihre Familie als ein wenig unangenehm. „Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll, außer Danke.“ Sie möchte Marias langgehegten Wunsch erfüllen und ihr ein neues Fahrrad kaufen. „Im Sommer planen wir mit der Familie einen Besuch des Heideparks. Das bringt alle auf neue Gedanken und hilft, Kraft zu schöpfen.“ Vor der Zeit nach dem Krankenhaus hat die Farmarbeiterin schon ein wenig Angst. „Die äußerlichen Wunden heilen, aber wie es in Maria innen aussieht, weiß niemand. Die Klinik betreut sie psychologisch, und diese Unterstützung wird sie sicher auch später benötigen, denn so ein Unglück lässt sich schwer verarbeiten“, glaubt sie.

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