BILD.de führt Klartext-Studie an: Kurze Sätze machen den Unterschied
BILD.de führt Klartext-Studie an: Kurze Sätze siegen

BILD.de führt Klartext-Studie an: Kurze Sätze machen den Unterschied

Berlin – „Wer etwas Wichtiges zu sagen hat, macht keine langen Sätze!“ Dieser legendäre Werbeslogan von BILD hat offenbar bis heute Bestand. Eine aktuelle Studie des Unternehmens Wortliga, das Textanalyse-Tools herstellt, zeigt: Bei der Verständlichkeit von Online-Medien gibt es erhebliche Unterschiede. Die Untersuchung von über 11.000 Artikeln aus 16 deutschen Nachrichtenportalen ergab, dass bild.de die klarsten Texte bietet und damit den ersten Platz belegt.

Die Wissenschaft hinter der Verständlichkeit

Die Sprachexperten von Wortliga sehen den Schlüssel zum Erfolg in kurzen Sätzen. Bei bild.de besteht ein Satz durchschnittlich aus nur 11,5 Wörtern, während beim Studien-Schlusslicht FAZ ganze 15,9 Wörter pro Satz gezählt wurden. Studienleiter und Wortliga-Gründer Gidon Wagner erklärt: „Bild nutzt dabei keine ,leichte Sprache’, sondern schreibt für alle: vom Uni-Professor bis zum Schüler. Die Daten zeigen, dass BILD Texte so strukturiert, dass sie überflogen werden können.“

Wagner weiter: „Das kommt, um bei diesem Beispiel zu bleiben, dem Professor ebenso entgegen wie dem Schüler: Der Akademiker hat weniger Zeit, der Schüler hat weniger Lesekompetenz.“ Dieser Ansatz scheint aufzugehen, wie die Studienergebnisse eindrucksvoll belegen.

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Das Ranking der Online-Medien

Die vollständige Rangliste der untersuchten Portale zeigt interessante Unterschiede:

  1. bild.de – 61,4 Punkte
  2. stern.de – 59,1 Punkte
  3. zdfheute.de – 58,1 Punkte
  4. focus.de – 54,5 Punkte
  5. web.de – 54,3 Punkte
  6. zeit.de – 54,2 Punkte
  7. merkur.de – 53,9 Punkte
  8. t-online.de – 53,9 Punkte
  9. sueddeutsche.de – 52,3 Punkte
  10. spiegel.de – 51,7 Punkte
  11. tagesschau.de – 51,5 Punkte
  12. taz.de – 51,5 Punkte
  13. welt.de – 50,1 Punkte
  14. tagesspiegel.de – 50,0 Punkte
  15. n-tv.de – 49,9 Punkte
  16. faz.de – 46,4 Punkte

ZDF und ARD: Klartext gegen Amtsdeutsch

Besonders interessant ist der Vergleich zwischen verschiedenen öffentlich-rechtlichen Angeboten. Während zdfheute.de mit Platz 3 gut abschneidet, landet tagesschau.de nur auf Platz 11. Wagner analysiert: „Unsere Daten zeigen bei der Tagesschau eine extrem hohe Dichte an Passivkonstruktionen. Das erzeugt Distanz und erschwert den Lesefluss. Das ZDF hebt hingegen durch gezielte und extreme Vereinfachung den Durchschnitt an.“ So entstehe der Eindruck: Klartext gegen Amtsdeutsch.

Verbesserungspotenziale und Herausforderungen

Die Studie identifiziert auch klare Schwachstellen. Gastbeiträge von Experten wirken sich negativ auf die Verständlichkeit aus. Die Studienleiter raten daher, dass solche Beiträge von externen Fachleuten stärker bearbeitet und vereinfacht werden sollten. Im Gegensatz dazu zeigen Interviews häufig eine bessere Verständlichkeit, was auf ihren dialogischen Charakter zurückzuführen sein könnte.

Ein weiteres positives Ergebnis: stern.de konnte seine Werte im Vergleich zur ersten Studie aus dem Jahr 2023 sogar verbessern und belegt nun den zweiten Platz. Dies zeigt, dass Medienhäuser durch bewusste redaktionelle Arbeit ihre Verständlichkeit steigern können.

Die Bedeutung klarer Kommunikation

In einer Zeit, in der Informationsüberflutung zum Alltag gehört, gewinnt die Verständlichkeit von Nachrichten immer mehr an Bedeutung. Die Studie von Wortliga macht deutlich, dass kurze Sätze und klare Strukturen nicht nur für bestimmte Zielgruppen, sondern für alle Leser von Vorteil sind. Die Ergebnisse sollten Medienhäuser dazu anregen, ihre redaktionellen Prozesse zu überdenken und stärker auf die Bedürfnisse ihrer Leser einzugehen.

Die vollständige Studie bietet damit nicht nur eine Momentaufnahme des aktuellen Zustands deutscher Online-Medien, sondern auch wertvolle Hinweise für die Zukunft der journalistischen Kommunikation in digitalen Zeiten.

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