Stephen Colbert erhebt schwere Vorwürfe gegen CBS
Der bekannte US-Moderator Stephen Colbert hat in seiner Late-Night-Show am Montagabend schwere Vorwürfe gegen seinen eigenen Haussender CBS erhoben. Colbert, der noch bis zum 21. Mai bei CBS auf Sendung gehen soll, warf dem Sender vor, die Ausstrahlung eines Interviews mit dem demokratischen Politiker James Talarico untersagt zu haben.
Rechtsabteilung verweigert Ausstrahlung
Gleich zu Beginn seiner Sendung teilte Colbert dem Publikum mit, dass die Rechtsabteilung von CBS ihn angerufen und unmissverständlich informiert habe, dass das Interview mit Talarico nicht ausgestrahlt werden könne. Mehr noch: Ihm sei sogar untersagt worden, über die Nichtausstrahlung zu sprechen. "Und weil mein Sender absolut nicht will, dass wir darüber sprechen – sprechen wir darüber", sagte Colbert unter dem Jubel des anwesenden Publikums.
FCC-Regelungen als Begründung
Colbert erläuterte anschließend, dass CBS die Ausstrahlung unter Verweis auf Richtlinien der US-amerikanischen Telekommunikationsaufsicht Federal Communications Commission (FCC) verweigert hätte. Diese Regelungen sehen vor, dass Kandidaten für politische Ämter gleichwertige Sendezeit gewährt werden muss. Allerdings gibt es seit Langem Ausnahmen für Nachrichtenformate und Talkshow-Interviews mit Politikern – genau wie in Colberts Fall.
Der Moderator wies darauf hin, dass der unter Donald Trump eingesetzte FCC-Chef Brendan Carr diese Ausnahmen aufweichen wolle, wie aus einem Brief von ihm hervorgehe. "Er hat nur einen Brief veröffentlicht, laut dem er über die Abschaffung der Ausnahme nachdenkt. Er hat es noch nicht getan. Aber mein Sender verhält sich einseitig so, als wenn er es schon hätte", kritisierte Colbert die Haltung von CBS.
Interview dennoch verfügbar
Trotz der Blockade durch CBS kündigte Colbert an, dass seine Zuschauer das Interview mit James Talarico dennoch sehen könnten – nur nicht im linearen Fernsehen. "Der Sender sagt, ich dürfe Ihnen keine URL und keinen QR-Code geben. Aber ich verspreche Ihnen: Wenn Sie auf unsere YouTube-Seite gehen, werden Sie es finden", erklärte der Moderator. Mittlerweile ist das Gespräch mit dem texanischen Politiker, der derzeit im Repräsentantenhaus von Texas sitzt und eine Wahl in den US-Senat anstrebt, tatsächlich auf der YouTube-Seite der Show abrufbar.
Veränderte Stimmung bei CBS
Der Vorfall verdeutlicht, wie sehr sich die Stimmung bei dem einst liberalen US-Sender CBS in den vergangenen Monaten verändert haben muss. Colbert, der seit Jahren für seine politisch engagierte und oft kritische Berichterstattung bekannt ist, steht kurz vor dem Ende seiner Sendung bei CBS. Sein Vertrag läuft nur noch bis Mai, anschließend ist nach dem Willen des Senders Schluss.
Dieser Fall von vermeintlicher Zensur wirft Fragen auf über die redaktionelle Unabhängigkeit von Moderatoren und die Einflussnahme von Sendern auf politische Inhalte. Colbert nutzte seine Plattform geschickt, um die Blockade zu umgehen und das Interview seinen Zuschauern dennoch zugänglich zu machen – wenn auch auf einem anderen Verbreitungsweg.



