Désirée Nick startet Realitystar Academy: Neue Protagonisten für das Fernsehen
Désirée Nick startet Realitystar Academy für TV-Nachwuchs

Désirée Nick startet Realitystar Academy: Neue Protagonisten für das Fernsehen

Die Schauspielerin und Reality-Urgestein Désirée Nick hat eine neue Mission: Sie will das Reality-Fernsehen mit frischen Gesichtern und individuellen Persönlichkeiten bereichern. In der Show Realitystar Academy, die seit dem 16. April beim Streamingdienst Joyn verfügbar ist, übernimmt sie die Rolle der Akademie-Direktorin. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Assistenten Gigi Birofio.

Braucht es wirklich noch mehr Reality-Stars?

Fernsehen und Streamingdienste sind voll von Formaten wie Dschungelcamp, Big Brother oder Promis unter Palmen. Namen wie Georgina Fleur, Cosimo Citiolo und Tara Tabitha sind längst etabliert. Doch Nick ist überzeugt: Ja, es braucht neue Protagonisten, aber andere als bisher.

„Reality-TV kann sich nur über seine Protagonisten weiterentwickeln, denn die Bilder wiederholen sich in Varianten seit Jahrzehnten“, erklärt Nick im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Der Gewinner ihrer Akademie darf an der Show Forsthaus Rampensau teilnehmen, einem weiteren Beispiel aus der Fülle der Trash-TV-Formate.

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Herausforderungen für den Reality-Nachwuchs

In der Akademie müssen die Kandidaten ähnliche Prüfungen bestehen wie in etablierten Formaten: Ekliges essen wie im Dschungelcamp oder um Schlafplätze kämpfen wie bei Kampf der Realitystars. Doch Nick betont: Es geht um individuelle Interpretation.

„Die Herausforderung dieser Lehreinheiten besteht darin, bekannte Situationen individuell zu interpretieren und sie neu zu gestalten: mit Fantasie, Witz, Humor und persönlicher Note“, sagt die Schauspielerin, die auch als Gastdozentin an der Macromedia University in München unterrichtet.

Kritik am aktuellen Reality-TV

Medienexpertin Joan K. Bleicher von der Universität Hamburg sieht das Realityfernsehen unter Druck. Bei den Zuschauern sei „ein wachsender Widerstand gegen Erscheinungsformen psychischer und physischer Gewalt erkennbar“. Gleichzeitig drohe die wachsende Zahl gleichförmiger Formatkonzepte, das Interesse am Reality-TV sinken zu lassen.

Dass trotzdem viele Sender darauf setzen, führt Bleicher auf vergleichsweise geringe Kosten zurück: „Aus der Perspektive der Sendeanstalten ist die Kosten-Ertrags-Relation des Reality-TV nach wie vor gegeben.“

Nicks Vision: Schillernde Persönlichkeiten statt Kopien

Nick kritisiert den aktuellen Zustand des Genres scharf. Viele Protagonisten seien in denselben Agenturen, kennen sich von Events und Social Media, haben Affären und Scheidungen untereinander. „Sie werden vom Management gecoached, haben Angst vor Shitstorms und leben nicht von ihrem Talent, sondern davon, dass sie ihr Privatleben ausschlachten“, sagt sie.

Erschwerend komme hinzu, dass die meisten neuen „Stars“ ihre Anfänge in Dating-Formaten hätten und daher fast alle gleich alt seien. In ihrer Akademie will Nick das ändern: Der Realitystar von morgen müsse begreifen, dass eine TV-Realityshow das ganze Gegenteil von Social-Media-Content ist.

„Es erfordert Qualifikationen, Expertise, Handwerk und Fachkenntnisse, ja eine gewisse kulturelle Bildung“, betont Nick. „Die Akademie verleiht den Protagonisten darstellerische Orientierung und bietet durch Schulungen den Studierenden die Möglichkeit zur Persönlichkeitsentwicklung.“

Hohe Anforderungen an die Zöglinge

Vielen Kandidaten merkt man an, dass sie ihre Vorbilder vielleicht zu genau studiert haben und komplette Charaktere kopieren. Nick kritisiert: „Die Novizen schlagen mit einer immensen Anspruchshaltung auf. Da ist keinerlei Demut oder Bescheidenheit.“

Deshalb werde in der Akademie knallhart ausgesiebt. „Wir formen kein Panoptikum, sondern Persönlichkeiten“, sagt die Direktorin. In einer Welt, in der sich jeder Diva, Icon oder Legend nenne, nur weil man falsche Wimpern, Nägel und Haare trage, seien diese Ideale längst inflationär entwertet.

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Nicks Anforderungen sind klar: „Reality muss schillern, immer wieder neu überraschen“. Es brauche Charaktere, die „out of the box“ denken und agieren, außergewöhnlich und nicht angepasst seien. „Die, an die man sich erinnert, die mit Humor und Witz zu amüsieren wissen, die vor allem ehrlich sind und mutig neue Wege gehen.“

Authentizität als leere Worthülse

Die in der Debatte um Reality-Formate viel bemühte Formel der Authentizität hält Nick für nichtssagend. „Die Authentizität ist eine leere Worthülse, weil sie nicht hinterfragt wird“, sagt sie. „Was ist, wenn jemand in all seiner Authentizität ein Langweiler ist? Was soll die Authentizität von Leuten sein, die andere nachäffen, kopieren und gestalterisch zero Talent haben?“

Stattdessen betont sie: „Reality braucht Individualität und vor allem vielfältige Charaktere“, die sich für nichts zu schade sind und das Publikum reich beschenken wollen. „Es ist ein Abenteuerspielplatz für Individualisten, die einzigartig sind. Zu denen wir eine Bindung herstellen können. Aber bitte nicht mittels Phrasen, Floskeln und Plattitüden. Ich kann die ewig gleichen Sprüche nicht mehr hören.“