Geheime Botschaften für Agenten? Mysteriöser Sender funkt seit Iran-Krieg Zahlen auf Persisch
Seit dem Ausbruch des Iran-Krieges sorgt ein rätselhafter Kurzwellensender in Westeuropa für Aufsehen unter Amateurfunkern und Geheimdienstexperten. Eine unbekannte Quelle überträgt regelmäßig Zahlenreihen in persischer Sprache, was Spekulationen über geheime Kommunikationskanäle für westliche Agenten im Iran auslöst.
Die mysteriösen Übertragungen
Amateurfunker entdeckten am 28. Februar 2026 auf der Frequenz 7910 Kilohertz ein ungewöhnliches Signal, kurz nachdem Israel und die USA ihre Angriffe auf den Iran begonnen hatten. Eine Männerstimme sagte dreimal „tavajjoh“ - persisch für „Achtung“ - bevor sie mit einer scheinbar endlosen Zahlenkolonne begann. Die Übertragungen erfolgen seither regelmäßig zweimal täglich um 5.30 Uhr und 21.30 Uhr iranischer Zeit, wobei die abendliche Sendung als Wiederholung der morgendlichen erscheint.
Die Hobby-Funker, die weltweit Signale empfangen und dokumentieren, notieren diese besonders rätselhafte Übertragung akribisch in ihren Logbüchern. Die Stimme zählt minutenlang auf Persisch: „Yek“, „schisch“, „noh“ - eins, sechs, neun und weiter.
Geheimdienstliche Interpretationen
Laut Berichten der Financial Times aus London vermuten ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter hinter den Sendungen eine Notfall-Kommunikation für westliche Agenten im Iran. John Sipher, früherer CIA-Stationschef in Moskau, erklärt: „Das könnte eine Ersatzkommunikation für unsere Quellen im Iran sein - Menschen, zu denen der Kontakt nicht abbrechen darf.“ In Kriegssituationen biete diese Methode eine „perfekte Ausweichlösung“, da Kurzwellensignale an hohen Atmosphärenschichten reflektiert werden und selbst bei ausgefallenem Internet oder Mobilfunk über Tausende Kilometer reichen.
Alternativ könnte die Sendung auch dazu dienen, Irans Spionageabwehr zu verwirren oder zu beschäftigen. Die scheinbar zufälligen Zahlen sind für Außenstehende bedeutungslos, können aber von Eingeweihten mit speziellen Geräten oder Codebüchern entschlüsselt werden, woraus konkrete Anweisungen wie Treffen, Aufträge oder Fluchtbefehle hervorgehen.
Historische Parallelen und technische Details
Zahlensender sind keine neue Erfindung. Bereits im Kalten Krieg erhielten Agenten auf beiden Seiten über öffentliche Frequenzen verschlüsselte Anweisungen. Auch heute sollen mehrere Staaten diese Technik nutzen, darunter Russland, Polen, Taiwan und Nordkorea. Selbst ein 2010 in den USA aufgeflogenes russisches Spionagenetzwerk soll seine Befehle über Kurzwelle erhalten haben.
Die mysteriöse Funkstation blieb nicht ungestört: Auf der ursprünglichen Frequenz 7910 Kilohertz tauchten Störgeräusche auf - eine Methode, die bereits im Kalten Krieg zur Blockierung unerwünschter Radiosignale genutzt wurde. Der Sender reagierte prompt und wechselte auf 7842 Kilohertz.
Die Suche nach dem Ursprung
Funk-Enthusiasten des Projekts „Priyom“ versuchen derzeit, den genauen Standort des Senders zu ermitteln. Durch Vergleich der Signal-Laufzeiten konnten sie den möglichen Ursprung bereits eingrenzen: Der Sender könnte sich in Italien, der Schweiz, Westdeutschland, Ostfrankreich, Belgien oder den Niederlanden befinden.
Die Technik gilt theoretisch als „nicht zu knacken“, wenn sie richtig eingesetzt wird, da die Verschlüsselung nur mit den entsprechenden Schlüsseln entschlüsselt werden kann. Dies macht Zahlensender zu einem nach wie vor relevanten Instrument geheimer Kommunikation in Konfliktsituationen.



