Die geheime Geburtsstunde von AUTO BILD: Wie aus einer schwarz-weißen Idee Deutschlands führende Auto-Zeitung wurde
Der 15. November 1985 bleibt für Peter Felske (73) unvergesslich. An diesem Tag erhielt AUTO BILD quasi seine Straßenzulassung – ausgestellt vom Vorstand der Axel Springer AG. Die Genehmigung basierte auf einem 32-seitigen Dummy, einer Nullnummer für interne Zwecke, die nur elf Tage zuvor in Auftrag gegeben worden war. Der Auftrag war zweideutig, denn die Marktforschung zeigte wenig Platz für eine weitere Auto-Zeitschrift in Deutschland.
Die revolutionäre Idee: Eine Zeitung für alle Autofahrer
Entwickler Peter Koch (†1989), ehemaliger Stern-Chefredakteur, und Ex-Auto Zeitung-Chef Peter Felske standen vor der Herausforderung, ein Modell zu finden, das den Markt erweitert. Die Antwort war banal und doch revolutionär: eine Zeitung für alle, die Auto fahren. Kein Hochglanz-Produkt zur Blech- und Technik-Verherrlichung, sondern ein populärer Ratgeber für jedermann auf deutschen Straßen.
Das kleine Team bestand kaum aus Auto-Experten. Die Mehrheit kannte die Fragen von Otto Normalfahrern und bescherte damit Themen, die in der Fachpresse nicht behandelt wurden. Praxisnahe Tipps standen im Vordergrund: Wie rette ich meinen Führerschein vor Gericht? Wie erkenne ich Fallen beim Autokauf? Was passiert mit meinen Punkten in Flensburg? Wo finde ich gute Restaurants neben der Autobahn?
Das formale Dilemma: Schwarz-Weiß statt Farbe
Inhaltlich war die Nische schnell gefunden, aber formal gab es Probleme. Ursprünglich sollte AUTO BILD aussehen wie eine BILD-Zeitung: schwarz-weiße Fotos, viele Meldungen auf engstem Raum. Als Felske am 15. November um vier Uhr morgens den Kollegen Hans-Jürgen Greve zwang, den letzten Text freizugeben, war er zunächst zufrieden. Doch als Peter Koch ihn mit Champagner und der frohen Botschaft aus dem Vorstand weckte, überkamen ihn Zweifel.
„Hätte es wirklich zum Erfolg gereicht, den Deutschen ihr liebstes Kind dauerhaft auf losen Zeitungsblättern und überwiegend in Schwarz-Weiß zu präsentieren?“, fragte sich Felske. Bis heute fällt es ihm schwer, daran zu glauben.
Die Rettung: Eine technische Revolution
Die Rettung kam nur wenige Tage später. Am 26. November präsentierte die Druckerei in Ahrensburg eine technische Revolution: Tiefdruck auf Zeitungspapier. Jede Seite konnte nun farbig gedruckt werden. Diese Innovation machte es möglich, die künftige Nummer eins auf dem Markt der Auto-Blätter so bunt und spannend zu gestalten, wie wir sie seit dem 24. Februar 1986 als AUTO BILD kennen.
Die Redaktion von 1986 bestand nicht aus altgedienten Grenzbereichslyrikern, sondern aus autobegeisterten Journalisten. Fachchinesisch war in den Texten grundsätzlich verboten – alle technischen Begriffe mussten sofort für jedermann und jede Frau verständlich übersetzt werden. Selbst den Katalysator nannte die Redaktion 1985 noch liebevoll „Katy“.
Was als schwarz-weißer Dummy begann, entwickelte sich durch eine Druck-Revolution zum farbigen Marktführer. Die Mischung aus praxisnahen Themen, verständlicher Sprache und farbenfroher Gestaltung schuf eine einzigartige Formel, die AUTO BILD zur erfolgreichsten Auto-Publikation Deutschlands machte.



