Eckart von Hirschhausen warnt vor Deepfakes als Gefahr für Demokratie und Wahrheit
Der bekannte Fernsehjournalist und Mediziner Eckart von Hirschhausen hat eindringlich vor den Gefahren sogenannter Deepfakes für die Demokratie gewarnt und fordert ein Verbot ihrer Herstellung. Der 58-Jährige, der selbst bereits Opfer von Deepfake-Manipulationen wurde, sieht die Grundlagen unserer Gesellschaft durch die täuschend echt wirkenden KI-generierten Inhalte bedroht.
„Wir können unseren eigenen Augen nicht mehr trauen“
„Wir stehen an einem historischen Wendepunkt, an dem wir unseren eigenen Augen und Ohren nicht mehr vertrauen können“, erklärte von Hirschhausen im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Was über Jahrtausende als verlässlicher Zeugenbeweis gegolten habe – nämlich das eigene Sehen und Hören – verliere in der digitalen Welt zunehmend seine Bedeutung. „Deepfakes sind inzwischen technisch so ausgereift, dass selbst Fachleute sie kaum noch von echten Aufnahmen unterscheiden können“, warnte der Moderator nachdrücklich.
Grundlage für gesellschaftliches Miteinander schwindet
Wenn die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge nicht mehr möglich sei, fehle die essentielle Basis für jedes vernünftige Urteil. „Und damit gerät unser gesamtes gesellschaftliches Miteinander, unser Zusammenhalt und letztlich auch unsere Demokratie ins Wanken“, betonte von Hirschhausen mit Nachdruck. Der Mediziner vergleicht die Situation mit der Geldfälschung: „Das machen wir doch beim Fälschen von Geldscheinen auch! Die darf ich nicht einmal zum privaten Vergnügen herstellen. Es reicht einfach nicht aus, erst dann zu reagieren, wenn der Schaden bereits entstanden ist.“
Persönliche Erfahrungen mit Deepfake-Missbrauch
Von Hirschhausen spricht aus eigener schmerzlicher Erfahrung. Mit seinem Gesicht und seiner charakteristischen Stimme wurden täuschend echt wirkende KI-generierte Werbevideos erstellt, die Verbraucher zum Kauf vermeintlicher Gesundheitsprodukte verleiten sollten. In einer bald erscheinenden ARD/WDR-Dokumentation mit dem Titel „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“ beschäftigt er sich intensiv mit dem kriminellen System hinter diesen Manipulationen.
Dringender Handlungsbedarf in Deutschland
Der Fernsehjournalist sieht in Deutschland akuten gesetzgeberischen Nachbesserungsbedarf. „Meine Stimme und mein Gesicht gehören mir – und dieses Recht muss auch in der digitalen Sphäre uneingeschränkt gelten“, forderte von Hirschhausen im dpa-Gespräch. Derzeit würden diese grundlegenden Persönlichkeitsrechte jedoch systematisch ausgehebelt. „Wenn wir diese Rechte nicht wesentlich besser schützen, verlieren wir die Kontrolle über unsere eigene Identität. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sich das anfühlt: absolut bedrohlich“, schilderte er die Situation.
Rechtliche Entwicklung im Fluss
Aktuell können Deepfakes in Deutschland bestraft werden, sobald sie die Rechte Dritter verletzen – etwa wenn Bilder oder Töne zu unwahren Inhalten manipuliert und verbreitet werden. Mögliche Straftatbestände umfassen dabei Betrug, Beleidigung, Verleumdung oder Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Die Rechtslage befindet sich jedoch im dynamischen Wandel. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) bereitet derzeit ein Gesetz vor, das speziell das Erstellen und Verbreiten sexualisierter Deepfakes unter Strafe stellen soll.
Weitreichende gesellschaftliche Konsequenzen
Von Hirschhausen betont, dass nicht nur er selbst, sondern zahlreiche Kolleginnen und Kollegen aus Medien und Öffentlichkeit von Deepfake-Manipulationen betroffen sind. Die technologische Entwicklung stellt die Gesellschaft vor fundamentale Herausforderungen, die über individuelle Persönlichkeitsrechte hinausgehen. Die Integrität öffentlicher Diskurse, die Glaubwürdigkeit von Informationen und letztlich das Funktionieren demokratischer Prozesse stehen auf dem Spiel, wenn die Unterscheidung zwischen Realität und Fiktion zunehmend verschwimmt.



