Studie: Hunderttausende Jugendliche leiden unter Social-Media-Sucht
Hunderttausende Jugendliche mit Social-Media-Sucht

Alarmierende Studie: Hunderttausende Jugendliche von Social-Media-Sucht betroffen

Eine aktuelle Untersuchung der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf offenbart besorgniserregende Entwicklungen bei der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. Die seit 2019 laufende Studienreihe dokumentiert einen deutlichen Anstieg problematischer Verhaltensweisen im Umgang mit digitalen Plattformen.

Dramatische Zahlen zur pathologischen Nutzung

Laut den aktuellen Ergebnissen weisen 6,6 Prozent aller Kinder und Jugendlichen eine pathologische, also suchtkranke Nutzung sozialer Medien auf. Bei Online-Videos liegt dieser Wert bei 4 Prozent. Hochgerechnet bedeutet dies, dass etwa 350.000 junge Menschen in Deutschland von einer behandlungsbedürftigen Social-Media-Sucht betroffen sind. Zusätzlich zeigen 21,5 Prozent eine riskante Nutzung sozialer Netzwerke – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahreswert von 21,1 Prozent.

Besonders auffällig ist die Entwicklung beim Konsum von Online-Videos: Hier stieg der Anteil der riskanten Nutzer von 13,4 Prozent im Vorjahr auf aktuell 21,4 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen eine rasante Verschärfung des Problems innerhalb nur eines Jahres.

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Definition und Folgen der Sucht

Als pathologische Nutzung gilt, wenn Betroffene soziale Medien deutlich länger verwenden als geplant oder vorgegeben und dadurch negative Konsequenzen in anderen Lebensbereichen erfahren. Typische Auswirkungen umfassen:

  • Verschlechterung schulischer Leistungen und Noten
  • Verspätungen oder Fehlzeiten im Unterricht
  • Schlafstörungen und damit verbundene gesundheitliche Probleme
  • Kontrollverlust über die eigene Mediennutzung

Eine riskante Nutzung bezeichnet zwar bereits ausgiebigen, aber noch nicht vollständig verfestigten Konsum, der jedoch klar auf eine Suchtentwicklung hindeutet.

Leicht rückläufige Nutzungsdauer bei alarmierender Entwicklung

Interessanterweise sind die durchschnittlichen Nutzungszeiten leicht zurückgegangen: An normalen Wochentagen verbringen Kinder und Jugendliche durchschnittlich 2,7 Stunden mit sozialen Medien, am Wochenende 3,3 Stunden. Trotz dieser minimalen Reduktion bewertet DAK-Chef Andreas Storm die Gesamtentwicklung als "alarmierend".

"Immer mehr Mädchen und Jungen sind gefährdet, in die Abhängigkeit zu rutschen", warnt Storm. "Jetzt muss schnell gehandelt werden, um unsere Kinder zu schützen und zu stärken." Der Krankenkassen-Vorsitzende betont, dass alleinige Altersgrenzen nicht ausreichen würden – zusätzlich sei eine umfassende Vermittlung von Medienkompetenz notwendig.

Politische Debatte um strengere Jugendschutzregeln

Vor dem Hintergrund der Studienergebnisse gewinnt die politische Diskussion über schärfere Jugendschutzregeln an Brisanz. Aus der SPD wurde die Forderung nach einem Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren bekannt. Parallel dazu soll auf dem bevorstehenden CDU-Parteitag ein Antrag beraten werden, der ein gesetzliches Mindestalter von 16 Jahren für Plattformen wie TikTok, Instagram und Facebook vorsieht – inklusive verpflichtender Altersprüfungen.

Die DAK-Gesundheit begrüßt diese politischen Initiativen ausdrücklich. Die Krankenkasse fordert jedoch zusätzlich zu regulatorischen Maßnahmen verstärkte präventive Ansätze und Aufklärungsarbeit, um Jugendliche vor den Gefahren exzessiver Mediennutzung zu schützen.

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