Katja Burkard im BILD-Gespräch: Vom Wirtshauskind zur TV-Ikone
Katja Burkard: Vom Wirtshauskind zur TV-Ikone

Katja Burkard im BILD-Interview: Vom Wirtshauskind zur TV-Ikone

Draußen blinkten die Lichter der Kneipenschilder, im Saal wurde ausgelassen gefeiert und an der Theke saßen die Stammgäste bis in die frühen Morgenstunden. Inmitten dieses geschäftigen Treibens wuchs ein kleines Mädchen auf, das Markklößchen rollte, Küchenhandtücher bügelte und früh Verantwortung übernahm. „Wir hatten kein Familienleben im herkömmlichen Sinne“, erzählt Katja Burkard (60) im exklusiven BILD-Gespräch. „Das ist keine Anklage, sondern einfach eine Feststellung.“ Die Moderatorin, die seit fast drei Jahrzehnten das Gesicht des RTL-Mittagsmagazins „Punkt 12“ ist, verbrachte ihre Kindheit im Westerwald als Tochter einer Wirtsfamilie.

Eine Kindheit zwischen Zapfhahn und Hochzeitsgesellschaften

Die blonde Lockenpracht, für die Katja Burkard heute bekannt ist, trug sie als Kind noch nicht. „Meine Kindheit war fundamental anders als die meiner Freundinnen“, erinnert sich die Moderatorin. Ihre Eltern führten eine Gaststätte mit angeschlossenem Saal, in dem das gesamte Dorfleben stattfand: Hochzeitsfeiern, Beerdigungskaffee, Versammlungen des Gesangvereins und Jahreshauptversammlungen der Taubenzüchter. „Ich war immer dabei, immer mittendrin“, sagt Burkard. Die Pflichten begannen früh: Wäsche glattziehen, Geschirr spülen, unzählige Markklößchen rollen. „Ich kann mich wirklich nicht erinnern, jemals nicht mithelfen zu müssen“, so die Moderatorin.

Später kam der Thekendienst hinzu – eine Aufgabe, die sie „wie die Pest“ hasste. Einmal fragte sie Gäste sogar, ob sie nicht selbst kochen könnten, wenn sie Hunger hätten. Die Beschwerde bei ihrer Mutter folgte prompt. Besonders schmerzhaft waren die Weihnachtsfeste: „Wir hatten gerade mal ein Kerzchen und drei Tannenzweige auf dem Tisch. Der Heilige Abend begann oft erst spät, wenn alle Stammgäste heimgegangen waren.“ Diese Erfahrung erklärt, warum Burkard heute mit ihrer eigenen Familie zum „allergrößten Weihnachtsfan“ geworden ist und die Adventszeit ausgiebig zelebriert.

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Menschenkenntnis als wertvollste Lektion

Was die Moderatorin hinter der Theke lernte, sollte sich später als ihr größter Schatz erweisen: tiefgehende Menschenkenntnis. „Meine Mutter besaß die beste Menschenkenntnis, die ich je erlebt habe. Sie war eine Wirtin par excellence“, schwärmt Burkard. Das aufmerksame Beobachten und Zuhören prägte sie nachhaltig. Diese Fähigkeiten bewährten sich auch in ihrem Beruf: Als junge Reporterin wollten Kollegen sie nicht zu Bergarbeitern schicken – sie hielten sie für „zu geschniegelt, zu blond“. Doch Burkard konterte selbstbewusst: „Glaubt mir, Leute, ich kann mit denen überzeugender reden als jeder von euch hier.“ Und sie behielt recht, denn das Leben aus dem Wirtshaus hatte sie gelehrt, mit Menschen aller Schichten umzugehen.

Die verbotene Liebe zum Vorgesetzten

1998, ein Jahr nachdem sie mit der Moderation von „Punkt 12“ begonnen hatte, verliebte sich Katja Burkard in ihren damaligen Vorgesetzten Hans Mahr (heute 76). „Das war total schwer und absolut nicht das, was ich mir jemals für mein Leben vorgestellt hatte“, gesteht die Moderatorin. „Aber wenn man sich verliebt, verliebt man sich.“ Monatelang hielten sie ihre Beziehung geheim, bis die BILD-Zeitung enthüllte: „Katja Burkard, sie liebt ihren Chef.“

Als sie am nächsten Tag ins Büro kam, saßen alle Kollegen mit der Zeitung da. „Ich hätte mich gerne entfernt aus Köln. Vom Planeten. Von der Milchstraße“, erinnert sich Burkard. Auch das Gespräch mit ihrer Mutter verlief dramatisch: Auf die Frage, ob der Neue älter sei und Kinder habe, antwortete sie bejahend, bevor es aus ihr herausplatzte: „Mama. Er ist mein Chef.“ Nach einem Moment des Schweigens sagte ihre Mutter nur: „Ja, musst du selbst wissen. Aber wenn ihr euch verliebt habt, ist es so. Es kann aber schwierig werden.“

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Patchworkfamilie und späte Hochzeit

Die Beziehung hielt allen Widrigkeiten stand. Hans Mahr brachte drei Söhne aus früheren Beziehungen mit, gemeinsam bekamen sie zwei Töchter (heute 19 und 25). „Wir waren und sind eine lustige Truppe“, beschreibt Burkard ihre Patchworkfamilie. Nach einer einjährigen Trennung fanden sie bewusst wieder zueinander und heirateten im Sommer 2025 nach 28 Jahren Beziehung an ihrem Seelenort in Österreich – ganz intim, nur mit den Kindern. „Verheiratet zu sein, macht noch mal was mit einem. Auch nach so vielen gemeinsamen Jahren“, reflektiert die Moderatorin.

Mit dem Lispeln zum Markenzeichen

Ein Autounfall in jungen Jahren hinterließ bei Burkard einen Tinnitus. Ihr charakteristisches Lispeln, über das sich anfangs viele Zuschauer und Kollegen lustig machten, nahm sie selbst lange nicht wahr. Irgendwann sagten die Chefs: „Egal. Es ist dein Markenzeichen.“ Heute erklärt die Moderatorin: „Inzwischen ist mir mein Lispeln total egal.“ Und seit es ihr egal ist, spricht kaum noch jemand darüber.

Was die Moderatorin antreibt

Was Katja Burkard nach all den Jahren immer noch motiviert? „Ich hab's von Sekunde eins an geliebt“, sagt sie über ihren Beruf. Die Menschen, die Bühne, das ständige Lernen neuer Dinge außerhalb der Komfortzone. Jeden Morgen denkt sie daran, wofür sie dankbar ist. „Ich bin wirklich ein sehr dankbarer Mensch“, betont sie.

Ihr jüngeres Ich würde sie heute beraten: „Ich hätte selbstbewusster sein können. Weniger zweifeln.“ Heute weiß sie: „Ich kann vieles und bin gut in meinem Beruf. Die Angst zu versagen, ist weg.“ Aus dem kleinen Mädchen hinter der Kneipentheke ist eine Frau geworden, die Millionen Zuschauer durch den Mittag begleitet und gelernt hat, dass man manchmal genau das bekommt, was man sich nie zu träumen gewagt hätte.