Die Schauspielerin Lisa Kudrow, bekannt aus der Kultserie „Friends“, hat in einem Interview mit der „Times“ toxische Details über die Arbeitsbedingungen hinter den Kulissen der Serie enthüllt. Sie sprach über sexistische Sprüche und sexuelle Fantasien der Drehbuchautoren, die vor allem gegen ihre Kolleginnen Jennifer Aniston und Courteney Cox gerichtet gewesen seien.
„The Comeback“: Eine Serie über das Seriengeschäft
Derzeit ist Kudrow in der Serie „The Comeback“ zu sehen, die sie gemeinsam mit Michael Patrick King, dem Autor und Regisseur von „Sex and the City“, entwickelt hat. Die Serie handelt von einer in Vergessenheit geratenen Sitcom-Schauspielerin und ist eine der klügsten Fernsehserien über das Fernsehgeschäft. Die dritte Staffel wird derzeit bei HBO Max gezeigt. Kudrow spielt die Hauptrolle der Valerie Cherish, einer ehemaligen Sitcom-Darstellerin, die um ihr Comeback kämpft.
Inspiration aus eigener Erfahrung
Für ihre Rolle schöpfte Kudrow aus eigener Erfahrung: Nach dem Tod ihres Schauspielkollegen Matthew Perry sah sie sich „Friends“ nach langer Zeit wieder an und konnte die komödiantischen Dialoge und die schauspielerischen Leistungen ihrer Kollegen nun besser würdigen. Im Interview mit der „Times“ spekulierte sie, dass die Serie bei der Generation Z so beliebt sei, weil sie „eine Art Unschuld eingefangen hat, die eine jüngere Generation nie erlebt hat“.
„Gemeines Zeug“ im Autorenraum
Doch hinter den Kulissen sei es alles andere als unschuldig zugegangen, so Kudrow. Sie berichtete von einem „Writers' Room“ im Warner-Brothers-Studiokomplex in Burbank, Kalifornien, in dem zwischen 12 und 15 Angestellte, „vor allem Männer“, zusammensaßen. Wenn die Schauspieler vor einem Livepublikum die Zeilen verpatzten, seien Sprüche gefallen wie: „Kann die blöde Kuh nicht lesen? Sie gibt sich nicht mal Mühe. Sie hat meinen Gag versaut.“
Sexuelle Fantasien über Kolleginnen
Zudem hätten die Autoren bis drei Uhr nachts zusammengesessen und „ihre sexuellen Fantasien über Jennifer [Aniston] und Courteney [Cox] besprochen“, so Kudrow. In „The Comeback“ gibt es mehrfach Szenen, in denen Autoren erniedrigende Sexszenen für Kudrows Figur Valerie erfinden. Kudrow selbst sagte zu „Friends“-Zeiten: „Sagt, was ihr wollt hinter meinem Rücken, denn dann ist es mir egal.“ Doch in einem späteren Interview mit dem „New Yorker“ räumte sie ein, dass andere Menschen dabei im Raum gewesen seien – „und das ist ein Problem“.
Der Fall Amaani Lyle
Damit spielte Kudrow auf den Fall von Amaani Lyle an, die 1999 als 27-jährige Assistentin im Autorenraum arbeitete. Ihre Aufgabe war es, die Brainstorming-Sitzungen zu protokollieren. Später sagte sie aus, dass die Autoren über Analsex, Oralsex, Brustgrößen und Vergewaltigungsszenen gesprochen hätten. Nach ihrer Entlassung verklagte Lyle die Produktionsfirma wegen sexueller Belästigung. Die Autoren rechtfertigten ihr Verhalten als „kreative Notwendigkeit“ und beriefen sich auf die Redefreiheit. 2006 entschied das oberste kalifornische Gericht zu ihren Gunsten.
„The Comeback“ als Verarbeitung
Kudrow und King wiesen im „New Yorker“ jedoch zurück, dass „The Comeback“ direkt auf diesem Fall beruhe. Vielmehr sei diese Art von grobem Gewitzel in Autorenräumen so verbreitet gewesen, dass jeder im Team eigene Horrorgeschichten habe erzählen können. „Wir haben uns gegenseitig ermutigt, die dunkle Seite etwas zu erkunden“, sagte Kudrow der „Times“ über die Grundidee zu der Serie.



