Martensteins offener Brief an Merkel: War Ihre Kanzlerschaft wirklich erfolgreich?
Martenstein kritisiert Merkels Bilanz in offenem Brief

Offener Brief an die Ex-Kanzlerin: Martenstein hinterfragt Merkels politisches Vermächtnis

In seiner neuen täglichen Kolumne für BILD richtet sich der 72-jährige Journalist Harald Martenstein mit einem offenen Brief direkt an die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Text, der am 13. Februar 2026 veröffentlicht wurde, stellt das politische Erbe der langjährigen Regierungschefin auf den Prüfstand.

Ein kritischer Vergleich: Deutschland 2005 versus heute

Martenstein erinnert daran, dass Merkel 2005 ein Land mit florierender Wirtschaft übernommen habe. Die Infrastruktur sei damals gut gewesen, die Energieversorgung sicher, und Straßen, Parks sowie Züge hätten größtenteils Sicherheit geboten. Kinder hätten lesen gelernt, die Staatsverschuldung sei niedrig gewesen, die AfD existierte noch nicht, und die Union habe vor Merkels Amtsantritt bei fast 39 Prozent gelegen.

„Ihre Bilanz finde ich nicht ganz so toll“, schreibt Martenstein direkt und stellt damit den Erfolg von sechzehn Jahren Kanzlerschaft infrage. Er verweist auf Walter Scheel, den einzigen Vorgänger, der während seiner nur zehntägigen Amtszeit als geschäftsführender Bundeskanzler vermutlich nie etwas falsch gemacht habe.

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Die Machtvirtuosin und ihre Entscheidungen

Martenstein anerkennt Merkels politisches Geschick, vergleicht sie mit Helmut Kohl als „Virtuosin der Macht“. Doch er fragt sich, warum für das Land im Vergleich zu anderen Kanzlern relativ wenig Gutes dabei herausgekommen sei. Die Ex-Kanzlerin habe oft schnell auf Situationen reagiert – etwa beim Reaktorunfall in Fukushima 2011 oder während der Flüchtlingskrise 2015 – und sei „auf Sicht gefahren“.

Besonders interessant findet der Kolumnist Merkels jüngste Entscheidung, sich mithilfe der Grünen nicht zur Bundespräsidentin wählen zu lassen. „Sie verzichten also darauf, ihrem Nachfolger das Leben zur Hölle zu machen und eine Partei zu demütigen, der Sie vieles verdanken“, schreibt er mit spürbarer Ironie und empfiehlt ihr, sich auf dem nächsten CDU-Parteitag für diesen Verzicht feiern zu lassen.

Die unbequeme Frage an Merkel

Zum Abschluss seines Briefes stellt Martenstein die entscheidende Frage: „Sind Sie zufrieden mit dem Deutschland von heute?“ Er betont, dass das heutige Deutschland trotz ihrer Nachfolger zum Teil ihr Werk sei, und fragt direkt: „Halten Sie wirklich alles für gelungen?“

Der Brief endet mit „Hochachtungsvoll Harald Martenstein“ und einem Hinweis darauf, dass Leser dem Kolumnisten direkt eine Mail schreiben können. Die Veröffentlichung erfolgte im Rahmen von Martensteins neuer täglicher Kolumne bei BILD, die regelmäßig politische und gesellschaftliche Themen aufgreift.

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