Medienanstalt Brandenburg: Altersgrenzen allein bieten keinen ausreichenden Kinderschutz im Netz
Medienanstalt: Altersgrenzen schützen Kinder nicht ausreichend

Medienanstalt Brandenburg: Altersgrenzen allein bieten keinen ausreichenden Kinderschutz im Netz

Potsdam • Die Debatte um Altersbeschränkungen für die Nutzung von Social-Media-Plattformen nimmt in Brandenburg weiter Fahrt auf. Während politische Akteure wie Innenminister Jan Redmann (CDU) sich für solche Maßnahmen aussprechen, äußert die Chefin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, Eva Flecken, deutliche Zweifel an deren Wirksamkeit.

Skepsis gegenüber einfachen Lösungen

„Ich verstehe jedes Elternteil und auch die Politik, die nach greifbaren, vielleicht einfachen Lösungen suchen, wenn es um den Schutz und die Sicherheit unserer Kinder und Jugendlichen im Netz geht“, sagte Flecken dem „Nordkurier“. „Ob aber eine Altersgrenze, wie sie derzeit politisch diskutiert wird, dieses Ziel überhaupt erreichen kann, da bin ich mir nicht ganz sicher.“

Die Medienexpertin betont, dass bei der Problemanalyse zwar Einigkeit herrsche: Kinder und Jugendliche seien online mit extremistischen Inhalten wie NS-Symboliken, islamistischer Propaganda oder Pornografie konfrontiert, die oft ohne wirksame Altersbeschränkungen auch für Zehnjährige zugänglich seien. Die eigentliche Herausforderung liege jedoch anderswo.

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Plattformen müssen eigene Regeln durchsetzen

Nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der meisten Social-Media-Plattformen dürften Kinder und Jugendliche unter 13 oder 14 Jahren diese Dienste ohnehin nicht nutzen. „Sie überprüfen aber das Alter nicht effektiv“, kritisiert Flecken. „Vielleicht sollten sich die Plattformen schlichtweg an ihre eigenen AGB halten und diese auch wirksam durchsetzen.“

Dieser Appell richtet sich direkt an die Betreiber der großen Netzwerke, die ihrer Verantwortung für den Jugendschutz bisher oft nicht ausreichend nachkämen. Die Medienanstalt wurde vom Gesetzgeber verpflichtet, dafür zu sorgen, dass entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte aus dem Netz verschwinden – eine Aufgabe, die ohne die Kooperation der Plattformen kaum zu bewältigen ist.

Prävention und Medienkompetenz als Schlüssel

Neben regulatorischen Maßnahmen betont Flecken die Bedeutung von Prävention und Bildung. „Wir müssen Kinder und Jugendliche in die Lage versetzen, sich genauer anzuschauen, auf welchen Plattformen sie wie viel Zeit verbringen und was sie dort sehen“, erklärt die Expertin. „Sehe ich dort Inhalte, die mich verstören? Wie und wo kann ich die melden?“

Diese kritische Reflexionsfähigkeit sei ebenso wichtig wie technische Schutzmaßnahmen. Auch Familien, Eltern und Lehrkräfte müssten beim Thema Informations- und Nachrichtenkompetenz besser geschult werden. Entsprechende Bildungsangebote finden sich auf dem Portal der Medienanstalt unter www.jewusst-wie.de.

Brandenburger Diskussion mit bundesweiter Bedeutung

Die Debatte in Brandenburg hat Signalwirkung für die gesamte Bundesrepublik. Während einige Bundesländer und Politiker auf Altersgrenzen als vermeintlich einfache Lösung setzen, plädiert die Medienanstalt für einen differenzierten Ansatz, der sowohl die Durchsetzung bestehender Regeln als auch die Stärkung der Medienkompetenz umfasst.

„Es geht nicht darum, Verantwortung abzugeben, sondern sie intelligent zu verteilen“, fasst Flecken zusammen. „Zwischen Plattformbetreibern, Aufsichtsbehörden, Bildungseinrichtungen und Familien muss ein wirksamer Schutzschirm für junge Internetnutzer entstehen – und der besteht aus mehr als nur einer Altersangabe.“

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