Michel Friedman wird 70: Ein Leben für die streitbare Demokratie
Michel Friedman, der bekannte Jurist, Publizist und Moderator, feierte am Mittwochabend im Berliner Ensemble seinen 70. Geburtstag. Seit Jahrzehnten prägt er mit seiner unverwechselbaren Art die politische Debatte in Deutschland. Friedman, der nie als der Leise im Raum bekannt war, versteht Debatte nicht als Unterhaltungsshow, sondern als demokratische Pflicht und Verantwortung.
Demokratie als Dauerauftrag und Herausforderung
Im Gespräch zeichnet Friedman ein ernstes Bild vom aktuellen Zustand der Demokratie in Deutschland. Er beschreibt eine „verwirrte, nervöse Demokratie“, in der die Zerstörer laut und leidenschaftlich auftreten, während die Verteidiger oft verunsichert und zu leise seien. Für ihn bedeutet Demokratie kontinuierliche Beteiligung, Kompromissbereitschaft und Entscheidungsfreude – ein permanenter Arbeitsauftrag für alle Bürger.
„Wer Freiheit will, muss für sie arbeiten“, betont Friedman nachdrücklich. Von Mut in Deutschland möchte er allerdings nicht sprechen – mutig seien die Menschen in Teheran, Peking oder Moskau, die unter autoritären Regimen leben. In Deutschland gehe es vielmehr um Haltung und darum, sich den Realitäten zu stellen.
Klares Wort gegen Antisemitismus
Besonders deutlich wird Friedman beim Thema Judenhass. „Hass ist keine Meinung. Judenhass ist pure Gewalt“, stellt er unmissverständlich klar. Wenn jüdische Kinder in Deutschland wieder Angst haben müssten, sei dies ein Alarmsignal für die gesamte Gesellschaft. Seiner Überzeugung nach ist die Demokratie gefährdet, wenn Juden nicht sicher leben können – hier reiche ein einfaches „Stopp“ nicht aus, es brauche persönliches und politisches Engagement.
Prominente Gratulanten und persönliche Einblicke
Zur Geburtstagsfeier im Berliner Ensemble unter dem Titel „Vorsicht, Mensch!“ kamen zahlreiche prominente Gäste:
- Ex-Außenminister Joschka Fischer (77)
- Die Prinzen-Legende Sebastian Krumbiegel (60)
- Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53)
- Schauspieler Ulrich Matthes (66)
- Theater-Star Lars Eidinger (50)
- Sozialministerin Bärbel Bas (57, SPD)
- Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (50, Grüne)
- Arzt und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen (58)
Wegbegleiter beschreiben Friedman als leidenschaftlichen, präzisen und manchmal unerbittlichen Diskutanten, der stets von einem tiefen Glauben an den Menschen und dessen Verantwortungsfähigkeit getragen wird.
Der private Friedman: Traurigkeit und Kraftquellen
Privat zeigt sich der 70-Jährige anders. „Ich bin ein eher trauriger Mensch“, gesteht er und wünscht sich mehr Leichtigkeit und Lachen im Leben. Kraft schöpft er aus seiner Familie, dem Theater, Büchern und dem Meer. Seine Ehefrau Bärbel Schäfer (62) war natürlich bei der Feier an seiner Seite.
Und das Alter? „Ich habe Respekt davor – aber sie interessiert mich nicht die Bohne“, erklärt Friedman mit charakteristischer Direktheit. Er bleibt, was er immer war: wach, widerspenstig und zutiefst menschlich – ein unverzichtbarer Stimme in der deutschen Demokratie.



