Russisches Model Victoria Bonya fordert Putin öffentlich zur Aufhebung der Internetblockade auf
Model Bonya fordert Putin: Internetblockade beenden

Russisches Model legt sich mit Putin an: „Menschen haben Angst vor Ihnen“

Die russische Influencerin Victoria Bonya (46) hat mit einer ungewöhnlich direkten Ansprache an Kremlchef Wladimir Putin (73) für Aufsehen gesorgt. Auf Instagram, wo sie 12,9 Millionen Follower hat, forderte sie den Präsidenten öffentlich auf, die Internetblockade in Russland aufzuheben. Das kremlkritische Exil-Medium Meduza berichtete zuerst über den Vorfall.

Von Chanel-Protest zur politischen Kritik

Vor vier Jahren machte Bonya noch Schlagzeilen, als sie aus Protest gegen den Rückzug der Luxusmarke Chanel aus Russland demonstrativ eine Chanel-Tasche zerschnitt. Jetzt richtet sich ihre Kritik gegen die Internetpolitik der russischen Regierung. In ihrer Instagram-Nachricht erklärte Bonya: „Wladimir Wladimirowitsch, die Menschen haben Angst vor Ihnen. Aber Sie sind der Präsident unseres Landes. Ich glaube nicht, dass wir Angst haben sollten.“

Hintergrund: Immer mehr Einschränkungen im Netz

In Russland werden kontinuierlich westliche Messenger-Dienste gesperrt. Zuletzt fiel in Großstädten wie Moskau oder Sankt Petersburg tagelang das Internet aus. Die Regierung versucht, die Kontrolle über die Kommunikation der Bevölkerung zu erlangen und nimmt inzwischen auch VPN-Verbindungen ins Visier. Diese waren für viele Russen das letzte Mittel, um die Internetzensur zu umgehen und sich über Plattformen wie WhatsApp, Telegram oder Signal zu informieren.

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Putins Popularität auf Tiefstand

Diese restriktive Politik bringt dem Kremlchef erstmals seit Langem wieder deutlich hörbare Kritik ein. Laut einer Umfrage des kremlnahen Meinungsforschungsinstituts FOM vertrauen nur noch 71 Prozent der Russen ihrem Präsidenten. Das bedeutet einen Rückgang um fünf Prozentpunkte und stellt den schlechtesten Wert seit 2019 dar.

Proteste werden systematisch verhindert

Um Demonstrationen gegen die Internetzensur zu unterbinden, greifen die Behörden zu kreativen Methoden:

  • In Sibirien wurde eine Demo unter dem Vorwand einer Bauminspektion untersagt
  • An anderen Orten wurden Probleme bei der Schneeräumung als Grund angeführt
  • Teilweise werden immer noch gültige Corona-Beschränkungen als Argument genutzt

Kritik aus sicherer Entfernung

Interessant ist, dass Victoria Bonya selbst gar nicht von den Einschränkungen betroffen ist – sie lebt in Monte-Carlo in Monaco. Dennoch betont sie, dass es ihr ums Prinzip geht. Sie fordert Putin auf, den Menschen zu erlauben, über wichtige Themen zu sprechen:

  1. Die Überschwemmungen in Dagestan, wo Flutopfer seit Tagen auf Hilfe warten
  2. Die Umweltkatastrophe an der Schwarzmeerküste vor Anapa mit ausgelaufenem Heizöl
  3. Die aktuelle Internetblockade selbst

„Die Menschen sind verzweifelt“, erklärt Bonya. „Sie googeln ‚Wie kann ich Russland verlassen?‘“

Gemischte Reaktionen und wirtschaftliche Interessen

Innerhalb von nur 16 Stunden erhielt Bonyas Brandrede mehr als 607.000 Likes auf Instagram. Allerdings gab es auch kritische Stimmen. Eine Nutzerin merkte an: „Ihr wollt, dass sich in Russland etwas ändert, sagt aber gleichzeitig, dass ihr Putin unterstützt.“

Tatsächlich bleibt Bonya in ihrer Kritik ambivalent. Sie bezeichnet Putin als starken Politiker, betont aber: „Die Regierung dient dem Volk, nicht umgekehrt.“ Wirtschaftlich gesehen hat die Influencerin durchaus eigene Interessen: Da ihre Anhängerschaft größtenteils aus Russen besteht, kostet sie die Zensur potenziell Follower und damit Einnahmen.

Die Entwicklung zeigt, wie selbst frühere Putin-Unterstützer wie Victoria Bonya zunehmend unzufrieden mit der politischen Situation in Russland werden. Die Tatsache, dass Menschen nicht mehr offen über Probleme im Land reden können, treibt nun auch Prominente auf die Barrikaden – wenn auch aus sicherer Entfernung in Monaco.

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