Wirbel um KI-Gerüchte: Netanjahu wehrt sich mit Kaffee-Video gegen Todes-Spekulationen
Netanjahu wehrt sich mit Kaffee-Video gegen Todes-Gerüchte

Soziale Medien im Fieber: Todes-Gerüchte um Israels Premier

In den sozialen Netzwerken brodelt es derzeit: Verschwörungstheorien und bizarre Behauptungen um den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu überschlagen sich. Die kursierende These gipfelt darin, Netanjahu sei längst verstorben und werde durch eine Künstliche Intelligenz (KI) ersetzt. Als vermeintliche Beweise dienen den Verbreitern dieser Gerüchte angebliche Anomalien in aktuellen Videoaufnahmen.

Die skurrilen Behauptungen im Detail

Von sechs Fingern bis zu alten Kassenbildern: Die Spekulationen nehmen teilweise absurde Züge an. So behaupten Nutzer in sozialen Netzwerken, in einer Rede Netanjahus vom 12. März 2026 seien sechs Finger an seiner Hand zu erkennen. Andere führen einen Bildschirm einer Café-Kasse aus einem aktuellen Video als Beweis an, die Szene sei bereits aus dem Jahr 2024. Hinter diesen Behauptungen steht eine gezielte Desinformationskampagne, wie die „Jerusalem Post“ berichtet.

Netanjahus direkte Reaktion: Ein Kaffee-Video als Widerlegung

Der israelische Regierungschef geht offensiv gegen die Gerüchte vor. Auf seinem offiziellen X-Account veröffentlichte er am Sonntag ein Video, das in einem israelischen Café aufgenommen wurde. Darin ist deutlich zu sehen, wie Netanjahu zu einer Tasse Cappuccino greift, sich zur Kamera dreht und sarkastisch bemerkt: „Im Internet wird behauptet, der Premierminister sei tot? Ich sterbe vor Verlangen nach Kaffee.“ Anschließend spreizt er demonstrativ die Finger beider Hände, um zu zeigen, dass er tatsächlich nur zehn besitzt, und nippt an seinem Getränk.

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Faktenchecker widerlegen die Anschuldigungen

Internationale Faktencheck-Organisationen haben sich intensiv mit den Vorwürfen beschäftigt und kommen zu einem klaren Ergebnis:

  • Die Finger-Anzahl: Bei genauer Betrachtung des viralen Ausschnitts aus der Rede sind eindeutig nur fünf Finger zu erkennen. Der vermeintliche sechste Finger entpuppt sich als Schatteneffekt an einer Handfalte.
  • Das Kassen-Datum: US-amerikanische Faktenchecker erstellten einen hochauflösenden Screenshot aus dem Café-Video. Das auf dem Kassenbildschirm erkennbare Datum lautet „15.03.2026“ – nicht 2024, wie behauptet wurde.
  • Aktuelle Aufnahmen: Neben dem Café-Video veröffentlichte das Büro des Ministerpräsidenten am Dienstag weitere aktuelle Aufnahmen, die Netanjahu beim Telefonieren zeigen. Zudem ist der Premier in einem Video mit dem US-Botschafter Mike Huckabee zu sehen, in dem er lachend bestätigt: „Ja, Mike, ja, ich lebe.“

Technische Aspekte: KI-Effekte in Smartphone-Kameras

Nicht vollständig ausschließen lässt sich, dass bei der Produktion des Café-Videos dennoch KI-Technologie zum Einsatz kam. Moderne Smartphone-Kameras verfügen über Funktionen zur Erzeugung von Tiefenschärfe-Effekten. Dabei wird das Hauptmotiv scharf dargestellt, während der Hintergrund in weiche, oft kreisrunde Lichtpunkte aufgelöst wird. Solche Effekte können gelegentlich zu Artefakten an Objektkanten führen, was jedoch keinen Beweis für eine vollständige KI-Ersetzung einer Person darstellt.

Hintergrund: Gezielte Desinformationskampagne

Die Gerüchte über Netanjahus Gesundheitszustand oder angeblichen Tod folgen einem ähnlichen Muster wie zuvor verbreitete Spekulationen über den iranischen Führer Modschtaba Chamenei. Die Nachrichtenagentur Tasnim, die dem iranischen Staat nahesteht, streute entsprechende Behauptungen. Als vermeintliche Indizien werden Terminverschiebungen, verstärkte Sicherheitsmaßnahmen und angeblich fehlendes aktuelles Bildmaterial angeführt. Die israelische Regierung und unabhängige Medien werten dies als koordinierte Kampagne iranischer Staatsmedien.

Die aktuelle Debatte zeigt eindrücklich, wie schnell sich unbelegte Behauptungen in sozialen Netzwerken verbreiten können und welchen Herausforderungen Faktenchecker und Medien dabei gegenüberstehen. Netanjahus direkte und teils humorvolle Reaktion demonstriert einen Weg, mit solchen Desinformationsversuchen umzugehen.

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