Eine neue Studie belegt, dass die umstrittene Filmemacherin Leni Riefenstahl noch lange nach 1945 finanziell von den Machwerken profitierte, die sie im Auftrag der Nationalsozialisten drehte. Die Untersuchung, die am Dienstag veröffentlicht wurde, zeigt, dass Riefenstahl aus ihren Propagandafilmen wie „Triumph des Willens“ und „Olympia“ über Jahrzehnte hinweg Einnahmen erzielte.
Finanzielle Nachwirkungen der NS-Zeit
Die Studie, durchgeführt von Historikern der Universität München, wertete erstmals umfassend Riefenstahls Finanzunterlagen aus. Demnach erhielt sie noch in den 1950er und 1960er Jahren Tantiemen aus der Verwertung ihrer Filme. Insgesamt summierten sich die Zahlungen auf mehrere Hunderttausend D-Mark. „Riefenstahl gelang es, ihr Image als unpolitische Künstlerin zu wahren, während sie weiterhin von ihrer Vergangenheit profitierte“, erklärte Studienleiter Professor Klaus Weber.
Kontroverse um künstlerisches Erbe
Leni Riefenstahl, die 2003 im Alter von 101 Jahren starb, war zeitlebens umstritten. Während sie sich selbst als reine Künstlerin darstellte, die lediglich ästhetische Filme schuf, werfen ihr Kritiker vor, die NS-Ideologie durch ihre Werke verherrlicht zu haben. Die neue Studie untermauert diese Kritik, indem sie die langfristigen finanziellen Vorteile aufzeigt. „Die Einnahmen zeigen, dass sie nicht nur künstlerisch, sondern auch ökonomisch von ihrer Nähe zum NS-Regime profitierte“, so Weber weiter.
Reaktionen auf die Studie
Die Veröffentlichung der Studie hat in der Kulturwelt und der Politik für Diskussionen gesorgt. Der bayerische Kultusminister forderte eine Überprüfung, ob öffentliche Gelder, die Riefenstahl in der Nachkriegszeit erhielt, zurückgefordert werden können. Auch die Verwendung ihrer Filme in Bildungskontexten wird nun hinterfragt. „Es ist wichtig, dass wir die Verstrickungen von Künstlern in das NS-Regime kritisch aufarbeiten“, betonte der Minister.
Die Studie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in Deutschland wieder verstärkt geführt wird. Sie zeigt, wie tief die wirtschaftlichen und kulturellen Nachwirkungen des Nationalsozialismus bis in die Gegenwart reichen.



