Roblox im Fokus: Experte warnt vor unterschätzten Gefahren für Kinder und Jugendliche
Die Online-Spieleplattform Roblox erfreut sich bei Kindern und Jugendlichen weltweit großer Beliebtheit, doch gleichzeitig mehren sich kritische Stimmen zu den potenziellen Risiken. Erst kürzlich reichte die Stadt Los Angeles Klage gegen das Unternehmen ein, mit dem Vorwurf, nicht ausreichend für den Schutz Minderjähriger zu sorgen. Auch in Deutschland gibt es besorgniserregende Vorfälle, wie einen bekannt gewordenen Fall aus Baden-Württemberg, bei dem Jugendliche über Roblox zu Selbstverletzungen aufgefordert wurden.
Was ist Roblox und warum ist die Plattform so attraktiv?
Roblox ist eine umfangreiche Online-Spieleplattform, die im Jahr 2025 monatlich von etwa 380 Millionen Nutzern weltweit aktiv genutzt wurde. Besonders Kinder und Jugendliche fühlen sich von der niedlichen Optik vieler Spiele angezogen. Mit einem einzigen Account können Nutzer unzählige verschiedene Spiele erleben – von harmlosen Aktivitäten wie der Pflege virtueller Haustiere bis hin zu kritischeren Angeboten wie Poker-Nachbildungen.
Martin Bregenzer von der Initiative Klicksafe betont im Gespräch mit unserer Redaktion jedoch, dass hinter der bunten Fassade ernste Gefahren lauern können. „Auf Roblox gibt es ganz unterschiedliche Risiken“, erklärt der Experte. „Durch die Möglichkeit, mit fremden Menschen zusammenzuspielen und Chat-Funktionen zu nutzen, können Interaktionsrisiken wie Beleidigungen oder sogar sexuelle Belästigung auftreten.“
Die drei Hauptrisiko-Kategorien auf Roblox
- Interaktionsrisiken: Durch Kontakt mit Fremden in Spielen und Chats können Kinder Belästigungen, Mobbing oder unangemessene Ansprachen erfahren.
- Kommerzialisierungsfallen: Die Plattform ist stark auf Monetarisierung ausgelegt. Kinder können dazu verleitet werden, unkontrolliert Geld auszugeben, oft mehr als ihnen zur Verfügung steht.
- Inhaltsrisiken: Da Nutzer selbst Inhalte erstellen können, finden sich darunter mitunter volksverhetzende Materialien oder jugendgefährdende Inhalte wie die Verherrlichung von Suizid.
Bregenzer weist darauf hin, dass Roblox im Vergleich zu anderen Plattformen zwar strengere Regeln implementiert hat – etwa durch Einschränkungen der Kontaktaufnahme zwischen verschiedenen Altersgruppen – doch diese Maßnahmen seien oft wirtschaftlichen Interessen und politischem Druck geschuldet, nicht primär dem Kinderschutz.
Eltern als entscheidende Schutzinstanz
Der Experte betont, dass technische Sicherheitseinstellungen allein nicht ausreichen. „Die verfügbaren technischen Möglichkeiten, sowas wie die Elternbegleitung oder sichere Account-Einstellungen, sollte man auf jeden Fall nutzen“, rät Bregenzer. „Aber das ersetzt niemals das Begleiten und Besprechen mit den Kindern.“
Konkrete Empfehlungen für Eltern:
- Regelmäßig Informationsangebote wie klicksafe.de nutzen, um über neue Entwicklungen und Sicherheitsfunktionen informiert zu bleiben
- Die Website www.medien-kindersicher.de besuchen, die für Roblox und andere populäre Angebote Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur kindersicheren Einrichtung bietet
- Nicht nur eine Plattform isoliert betrachten, sondern das gesamte Mediennutzungsverhalten im Blick behalten
Die Eskalationsgefahr: Von Roblox ins gesamte Internet
Ein besonderes Risiko sieht Bregenzer darin, dass die Faszination für Roblox schnell auf andere Plattformen übergreifen kann. „Eltern müssen sich darüber im Klaren sein, dass Roblox oft nur der Einstieg in ein größeres Internet-Universum ist“, warnt der Experte. „Kinder entdecken über Roblox-Streamer YouTube, wollen auf Discord-Servern teilnehmen, Twitch-Streams verfolgen oder TikTok-Inhalte konsumieren.“
Diese Entwicklung könne Eltern schnell überfordern, da jede Plattform individuelle Sicherheitseinstellungen erfordere – manche seien für Kinder sogar gar nicht sicher konfigurierbar. „Eine Faszination für eine Plattform oder ein Spiel kann sehr schnell eskalieren, im Sinne davon, dass Kinder noch ganz andere Angebote nutzen wollen“, so Bregenzer.
Verantwortung verteilt sich auf mehrere Schultern
Ob Roblox ein sicherer Ort für Kinder und Jugendliche wird oder bleibt, hängt nicht allein von den Maßnahmen der Plattformbetreiber ab. Eltern tragen eine wesentliche Verantwortung durch aktive Begleitung und Aufklärung. Gleichzeitig spielt die Politik eine entscheidende Rolle bei der Regulierung von Online-Spieleanbietern und dem Schutz Minderjähriger im digitalen Raum.
Die Initiative Klicksafe und ähnliche Medienkompetenz-Projekte bieten wichtige Unterstützung, doch letztlich bleibt die Sicherheit von Kindern im Internet eine gemeinsame Aufgabe von Plattformen, Eltern, Bildungseinrichtungen und Gesetzgebern.



