Satireportal The Onion will Infowars übernehmen: Neuer Plan zur Parodie von Alex Jones' Plattform
In einer ungewöhnlichen Wendung im Medienbereich hat das US-Satireportal The Onion einen neuen Ansatz vorgestellt, um die Kontrolle über die rechte Verschwörungsplattform Infowars zu erlangen. Nachdem ein Richter im Dezember 2024 einen früheren Übernahmeversuch untersagt hatte, da der Versteigerungsprozess fehlerhaft gewesen sei, kommt nun wieder Schwung in die Sache. The Onion plant, durch eine exklusive Lizenzvereinbarung die Inhalte von Infowars zu parodieren und damit die Plattform lächerlich zu machen.
Hintergrund der geplanten Übernahme
Infowars, betrieben vom rechtsgerichteten Verschwörungstheoretiker Alex Jones, ist bekannt für ihre Nähe zur MAGA-Bewegung und die Verbreitung von Falschinformationen. Jones wurde unter anderem wegen seiner Behauptungen zum Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule zu Schadensersatzzahlungen in Höhe von insgesamt knapp 1,5 Milliarden Dollar verurteilt. Dies führte dazu, dass er sein Vermögen liquidieren muss und ein Treuhänder Infowars veräußern soll.
The Onion, eine seit 1988 bestehende Satirepublikation aus Madison, Wisconsin, die seriöse Medien nachahmt und oft für ihre scharfsinnigen Kommentare gelobt wird, sieht in dieser Situation eine Chance. Ziel ist es, Infowars in eine Satire seiner selbst zu verwandeln, um deren Einfluss zu untergraben. Bereits im Herbst 2024 hatte The Onion mit Unterstützung der Opferfamilien von Sandy Hook ein Angebot abgegeben, das jedoch abgelehnt wurde.
Details des neuen Plans
Laut Medienberichten hat The Onion am Montag vor Gericht einen neuen Plan zur Übernahme vorgelegt. Dieser sieht vor, dass die Satireseite eine befristete Lizenz für das geistige Eigentum der Muttergesellschaft Free Speech Systems erhält. Die Lizenz würde zunächst für sechs Monate gelten, mit einer Option auf Verlängerung um weitere sechs Monate. Im Gegenzug müsste The Onion monatlich 81.000 Dollar zahlen, um Kosten wie Miete und Nebenkosten für die Infowars-Studios zu decken.
Der Insolvenzverwalter unterstützt diesen Plan, und The Onion-Geschäftsführer Ben Collins erklärte, dass die Übernahme zum 30. April erfolgen könnte, sofern Richterin Maya Guerra Gamble zustimmt. Collins betonte, dass sein Unternehmen bereits Mitarbeiter eingestellt habe, um Infowars als Parodie-Website zu betreiben und daraus ein größeres Comedy-Netzwerk aufzubauen. Zudem sollen die Opferfamilien von Sandy Hook an den Gewinnen beteiligt werden.
Reaktionen und mögliche Hindernisse
Alex Jones hat angekündigt, eine mögliche Übernahme durch The Onion vor Gericht anzufechten. Er räumte jedoch ein, dass er und sein Team Ende des Monats möglicherweise aus ihren Räumlichkeiten geworfen werden könnten. In diesem Fall plant Jones, seine Sendungen in einem anderen Studio fortzusetzen und über neue Websites zu verbreiten.
The Onion hat bereits eine Vorschauseite veröffentlicht, die erste Eindrücke einer Infowars-Parodie zeigt. Dazu gehören satirische Werbeanzeigen, die auf Jones' Insolvenz und sein Geschäftsmodell mit Nahrungsergänzungsmitteln anspielen. Beispiele sind Slogans wie "Lügen sahen nie so gut aus" oder "Der ultimative Weg, dein Gold in nur 24 Stunden zu verstecken: Mach Pisse aus deinem Gold".
Historischer Kontext von The Onion
The Onion entstand 1988 als Studentenprojekt und entwickelte sich zu einer renommierten Satirepublikation, die oft fälschlicherweise für seriöse Nachrichten gehalten wird. Bekannte Beispiele ihrer Arbeit sind Artikel wie "Trump warnt Iran: Entweder akzeptiert ihr mein Ultimatum oder ihr müsst mit dem Zorn eines nächsten Ultimatums rechnen" oder "Artemis-II-Astronaut von Telefonmast enthauptet, weil er den Kopf aus dem Fenster streckte". Die Printausgabe wurde 2013 eingestellt, aber 2024 wieder eingeführt, während die Online-Präsenz auf theonion.com weiterhin aktuelle Ereignisse satirisch aufgreift.
In Deutschland ist The Onion eine Inspiration für Satireseiten wie den Postillon. Die geplante Übernahme von Infowars markiert einen einzigartigen Schritt im Kampf gegen Desinformation und könnte ein Modell für ähnliche Initiativen in der Medienlandschaft werden.



