TV-Chefs tauschen Moderatorin nach Coming-out aus: 'Die wollen wir nicht mehr'
TV-Chefs tauschen Moderatorin nach Coming-out aus

TV-Chefs tauschen Moderatorin nach Coming-out aus: 'Die wollen wir nicht mehr'

Ramona Leiß zählt zu den bekanntesten TV-Gesichtern der 1990er Jahre. Die Münchnerin führte damals durch populäre Formate wie den ZDF-Fernsehgarten und Die Knoff-Hoff-Show. Als sie sich 2008 zu ihrer Lebensgefährtin bekannte, wurde sie zu einer wichtigen Repräsentantin der LGBTQ-Community. Doch nun berichtet die 68-Jährige ehrlich über die traurigen Erfahrungen, die sie nach ihrem Coming-out machen musste – und wie gnadenlos die Medienbranche sein kann.

Vom Fernsehgarten ins Atelier: Das macht Ramona Leiß heute

Heutzutage verbringt Ramona Leiß ihre Zeit am liebsten beim Malen im eigenen Atelier. Im Fokus der Öffentlichkeit steht die ehemalige Moderatorin nicht mehr. "Ich lasse mich selten blicken – es ist ziemlich still um mich geworden. Das macht mir aber nichts aus", erklärt sie dem Merkur. "Es ist auch angenehm, wieder etwas anonymer zu sein. In erster Linie bin ich Omi, habe zwei Enkelkinder, male, habe meinen Hund und meine Frau."

Zu Veranstaltungen wird Leiß nur noch selten eingeladen. "Wenn man nicht mehr regelmäßig im Fernsehen erscheint, vergessen einen die Leute – oder es gibt andere, aktuellere Gesichter, Influencer zum Beispiel", so die 68-Jährige. Dass sie deren Popularität nicht immer nachvollziehen kann, macht die frühere Moderatorin deutlich: "Da wundere ich mich manchmal wirklich, wie wenig man heute können muss, um zu beeindrucken. Früher musste man wirklich sehr viel mehr draufhaben."

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Berufliche Konsequenzen nach dem öffentlichen Outing

Im Jahr 2008 machte Ramona Leiß ihre Liebe zu einer Frau öffentlich. Während das Publikum weitestgehend positiv reagierte, bekam die Münchnerin beruflichen Gegenwind zu spüren. "Die, die sich aufgeregt haben und mich sukzessive aus den Sendungen genommen haben, waren die Chefs, die Fernsehbosse", erinnert sich Leiß. "Man hat es mir zwar nie direkt gesagt, aber man hört hinter den Kulissen viel. Es kam klar aus den Chefetagen: 'Die wollen wir jetzt nicht mehr haben.'"

Ramona Leiß erinnert sich noch gut an diese Zeit: "Es war etwa ein halbes Jahr nach meinem Outing, als ich gemerkt habe, dass die Stimmung bei den Verantwortlichen gekippt war." Doch die Moderatorin hatte sich bewusst für Authentizität mit allen möglichen Konsequenzen entschieden: "Egal was passiert, auch wenn meine Karriere jetzt endet – mir ist es lieber, ehrlich zu mir und meinem Umfeld zu sein, als mit einer Lüge weiterzuleben. Das war mein Entschluss damals. Und ich hatte bereits damit gerechnet, dass man mich nicht weiterhin besetzen würde."

Oberflächlichkeit der Entertainmentbranche

Zu ehemaligen TV-Kollegen pflegt Ramona Leiß heute keinen Kontakt mehr, was sie sehr bedauert. Doch für tiefgehende Bindungen war die Entertainmentbranche ohnehin nicht gemacht, wie sie erzählt: "Im Grunde war das ein sehr oberflächliches Geschäft. Es war schnelllebig und echte Freundschaften waren dabei kaum möglich", so Leiß. "Man hat sich auf Partys, Einladungen, Vernissagen oder beim Job getroffen, und dann war es das."

Ramona Leiß fand in Sabine Ammon die große Liebe. Seit 2014 befindet sich das Paar in einer eingetragenen Partnerschaft. Trotz der beruflichen Rückschläge nach ihrem Coming-out bereut die ehemalige Moderatorin ihre Entscheidung nicht. Sie hat gelernt, mit den Konsequenzen zu leben und findet heute Erfüllung in ihrem Privatleben als Oma, Malerin und Lebenspartnerin.

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