Münchner U-Bahn-Stimme Sabine Bundschu: KI könnte langfristig echte Stimmen ersetzen
U-Bahn-Stimme warnt: KI bedroht echte Sprecher

Die Stimme Münchens warnt vor KI: Sabine Bundschu fürchtet um Zukunft echter Sprecher

Seit mehr als drei Jahrzehnten begleitet ihre Stimme Millionen Münchner durch den Alltag: Sabine Bundschu, Jahrgang 1959, ist als Ansage in U-Bahn, Tram und Bus der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) allgegenwärtig. Doch die erfahrene Sängerin, Schauspielerin und Sprecherin sieht ihre Branche durch Künstliche Intelligenz (KI) in existenzieller Gefahr.

Von der Bühne in die U-Bahn: Eine außergewöhnliche Karriere

Bundschu, die mit Größen wie Udo Lindenberg, Nina Hagen und Thomas Gottschalk auf der Bühne stand, erinnert sich an die Anfänge ihrer U-Bahn-Karriere: „Ich bin die Erste, die überhaupt die Stationen in München eingesprochen hat. Ich bin also die erste Generation Computerchip.“ Davor übernahmen Fahrerinnen und Fahrer die Ansagen – was bei Technikproblemen bis heute praktiziert wird.

Die Künstlerin hat ihren Ansagestil bewusst entwickelt: „Ich stellte mir vor, wie jemand täglich morgens und abends U-Bahn fährt. Und ich habe meine Stimmfarbe so angepasst, dass sie angenehm klingt und nicht stört.“ Dieser Ansatz wurde belohnt – Tramfahrer nennen ihre Stimme liebevoll „Susi“, in Anlehnung an die Rudi-Carrell-Show „Herzblatt“.

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Turbulentes Leben und lebensgefährliche Erfahrung

Neben ihrer erfolgreichen Karriere durchlebte Bundschu auch dunkle Kapitel. 2014 erlitt sie während der Teilnahme an einer umstrittenen Schweizer Therapiegruppe einen schweren Schlaganfall. „Es ist ein Wunder, dass ich noch lebe und kein Pflegefall geworden bin“, reflektiert sie heute. Die Gruppe experimentierte mit illegalen psychedelischen Substanzen unter der Leitung eines Mannes, den Bundschu als narzisstisch beschreibt.

Aus dieser Erfahrung zog sie wichtige Lehren: „Ich habe einen Radar für Narzissten entwickelt und halte mich fern von ihnen. Vor allem vor alten, weißen Männern, die glauben, einem alles verkaufen zu können.“ Heute arbeitet sie selbst als Gruppenleiterin bei Coachings.

Künstliche Intelligenz als tödliche Bedrohung

Das drängendste Thema für Bundschu und ihre Kollegen ist jedoch die Künstliche Intelligenz. Die MVG bestätigt bereits Experimente mit KI-Stimmen, auch wenn Bundschus Stimme vorerst erhalten bleibt. Die Sprecherin warnt jedoch vor den langfristigen Konsequenzen: „Ich sehe die Gefahr, dass echte Stimmen irgendwann aussterben.“

Besonders problematisch sind Vertragsklauseln, die es ermöglichen, eingesprochenes Material zum Trainieren von KI-Systemen zu verwenden. „Das wäre ein Todesurteil für alle echten Stimmen“, so Bundschu. Ein aktueller Rechtsstreit des Vereins Deutscher Sprecher gegen Netflix zeigt die Brisanz des Themas.

Die Zukunft der Stimmenbranche

Bundschu befürchtet, dass Zuschauer und Zuhörer bald nicht mehr zwischen echten und KI-generierten Stimmen unterscheiden können. „Noch klingt das lange nicht perfekt. Aber wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit“, erklärt sie mit Blick auf Technologien, die es ermöglichen, Stimmen wie die von George Clooney in verschiedenen Sprachen nachzuahmen.

Als Lösung fordert sie klare Regelungen und Solidarität unter Sprechern: „Vor allem, dass Menschen weiterhin vergütet werden für ihre Stimme. Und es ist wichtig, dass alle Sprecher zusammenhalten.“ Ohne gemeinsames Vorgehen drohe der Branche der schleichende Niedergang.

Für die Münchner U-Bahn-Fahrgäste bleibt Bundschus vertraute Stimme zunächst erhalten. Doch die Diskussion um KI in der Sprecherbranche hat gerade erst begonnen – und könnte langfristig das Ende einer Ära bedeuten.

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